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Kapitel 8: "Schärfen"

In diesem Kapitel widmen wir uns dem Schärfen der Bilder. Die Qualität eines Bildes hängt sehr stark von seiner Schärfe ab. Es ist uns allen klar, dass unscharfe Bilder (und wir reden hier nicht von schönen Bokeh Fotografien), das Auge nicht entzücken. Aber auf der anderen Seite: Wie viel Schärfe darf es denn sein? Wann ist es überdreht?

Wir schauen uns heute ein paar gute Schärfe Methoden an, basierend auf dem Photoshop. Spezielle Schärfungssoftware gibt es zuhauf, doch die betrachten wir heute nicht.

Auf die ursprünglichen Fotografien kommt es an

Die Schärfe muss beim Fotografieren sitzen. Jede noch so gute Bearbeitungsmethode ist einem unscharfen Bild überfordert. Ungenauer Fokus Bewegungsunschärfe (am falschen Ort) oder auch suboptimale Objektive, Vorsatzlinsen etc. sollten tunlichst vermieden werden. Unscharfe Bilder mittels groben Einstellungen scharf zu zwingen sieht sehr unnatürlich und unprofessionell aus.

Um Fotos selber schärfen zu können, muss im RAW Format fotografiert werden. JPEGs wurden bereits von der Kamerasoftware nachgeschärft und nochmaliges Schärfen führt zu zuweilen sehr unschönen Resultaten. Wenn du unbedingt JPEGs brauchst um am Abend was zum Vorzeigen zu haben, fotografiere "RAW + JPEG".

Wann ist Nachschärfen angesagt?
Das Schärfen ist der letzte Schritt im Workflow der Bildbearbeitung. Darum speichere immer ein "Original" ab, ungeschärft, aber mit eingestelltem Weissabgleich, Kontrast, Backscatter entfernt, etc. Aus diesem Original erzeugst du dann für die jeweiligen Anwendungen die richtige Grösse und geschärft. Werden Scharfe Bilder mehrmals in der Grösse geändert, wird auch immer wieder etwas nachgeschärft. Das ist zu viel des Guten. Folge sind Artefakte wie ausgebrannte Ränder, harte Linien, ausgefressene Bereiche und generell ein unnatürliches Aussehen.

Schärfetechniken
Über die beste Methode des Schärfens gibt es unzählige Ansichten. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass je nach Kamera und Objektiv unterschiedliche Methoden resp. Einstellungen vonnöten sind. Das wichtigste Werkzeug in der Schärfung sind deine Augen. Beobachte gut was die einzelnen Schritte bewirken und vor allem, betrachte deine Bilder bei 100%. Es ist kein Problem auch mal bei 50% oder 25% die Wirkung einzelner Schritte anzuschauen, aber ein Check bei 100% ist immer wichtig.

Um die Richtigen Einstellungen zu finden, fahre mit den Schiebereglern immer in die extremen Werte und dann zurück. Merke den Punkt wo du das Bild optimal gefunden hast und mache dasselbe nochmals, indem du den Regler in das gegenteilige Extrem und wieder zur Mitte zurückziehst. Vergleiche die Werte und ziehe deine Schlüsse.

Ein-Schritt Schärfen
Wie erwähnt erkläre ich die Methoden mit Photoshop. Andere Programme funktionieren aber sehr ähnlich, so dass die aussagen recht gut übertragbar sind.

Das einfachste Tool heisst "Unscharf maskieren". Stärke, Radius und Schwellenwert können verstellt werden. Die natürlichsten Resultate werden erreicht, indem der Radius möglichst klein gehalten wird. Fange mit 0,3 an und erhöhe um Zehntelschritte. Dabei sollte die Stärke auf ca. 200 - 300 % gestellt sein, der Schwellenwert zum Starten bei 2. Tiefe Werte beim Schwellenwert bedeuten, dass auch geringe Differenzen geschärft werden, werden hohe Werte grössere Unterschiede brauchen damit geschärft wird. Zu tiefe Werte verstärken Bildrauschen.

Du wirst bemerken, dass die Lichter sich nicht ganz so freundlich nachschärfen lassen wie die Mitteltöne oder z.T. auch die Tiefen. Um hier Gegensteuer zu geben, wählen wir anstelle des "Unscharf maskieren" den Befehl "Selektiver Scharfzeichner". Öffne "Erweitert". Im ersten Tab kommen die bekannten Einstellungen zum Vorschein. In Tab 2 und 3 kann man den Schärfeeffekt auf die Tiefen und die Höhen graduell ausblenden. Die Tonbriete gibt an wie viel mitteltöne bei den Höhen auch noch mitgenommen werden. Überleuchtende Höhen und körnige Tiefen können so ausgeschaltet werden.

Zwei-Schritt Schärfen
Bein dieser Methode machen wir einen zusätzlichen Schritt, bevor die oben beschriebene Methode angewandt wird. Dieser Schritt bringt noch etwas Klarheit ins Bild. Wir öffnen wiederum "Unscharf maskieren", nehmen jetzt aber für die Stärke 30%, für den Radius 30 und den Schwellenwert setzen wir bei 8. Ist der Effekt zu übertrieben, kann die Stärke auf 25% reduziert werden, evtl. auch der Radius auf 25 runtergesetzt.

Hochpassschärfen mit Doppelebene
Eine durchaus überraschende Methode bringt uns das Hochpassschärfen. Es funktioniert mit Smart Layers, das heisst, wir arbeiten nicht destruktiv, bis wir die Ebenen wieder zusammenfügen. Die Methode ist etwas komplizierter und es empfiehlt sich, eine Aktion aufzuzeichnen, welche nachher immer wieder automatisch abgespielt werden kann. Da Smart Layer im Einsatz sind, lassen sich die Einstellungen immer verändern. Hier das Rezept:

  • Konvertiere Foto in Smart-Objekt (Ebene / Smart Objekte / in Smart Objekte konvertieren)
  • Dupliziere die Ebene, Nenn sie z.B. "Detail"
  • Dupliziere nochmals und nenn sie "Grob"
  • Klicke die Ebene "Grob" und wähle "Hochpass" (Filter / Sonstige Filter / Hochpass) Radius 10. Der Wert kann nachher noch feingetunt werden.
  • Wähle "Weiches Licht" in der Füllmethode für die Ebene
  • Klicke die Ebene "Detail"
  • Wähle wiederum Hochpass aus und setze den Radius auf 2.
  • Als Füllmethode für diese Ebene wählen wir "Hartes Licht"
  • Diese beiden Ebenen werden nun gruppiert und die Gruppe als Hochpass-Schärfen benannt.
  • Der Fülleffekt für diese Gruppe ist "Hindurchwirken.

Nun sind wir praktisch fertig. Nur noch der Feinschliff, evtl. die Deckkraft etwas herunterdrehen, z.B. auf 80% oder tiefer, falls das Resultat übertrieben ist. Es lohnt sich, mit den Werten rumzuspielen.

Klick auf das Photo um es zu vergrössern!

Die kleine Krabbe Galathea Balssi mit ihren filigranen Strukturen zeigt die Schärfeeffekte deutlich.

A: Blick auf den ausgewählten Ausschnitt im unentwickelten RAW File.
B: Gleicher Ausschnitt mit Hochpass Schärfen. die Strukturen wirken natürlich, die weiche Grundnote des Bildes bleibt erhalten.
C: Deutlich übertrieben. die Linien sind zu hart, Rauschen erscheint und die Flächen (Augen, Beine, Scheren) verlieren ihre natürlichen Strukturen. Die Gebiete mit Bokeh werden dazu gezwungen, scharf auszusehen, was sehr unnatürlich wirkt. Olympus E-3, 50mm Makro, 1,4x Telekonverter, 1/250s, f/10.0, ISO100.