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Saltstraumen – Tauchen im Gezeitenstrom

Mehr zufällig als geplant erreichten wir von Narvik über Bodø Saltstraumen. Von Norden betrachtet, besitzt dieses Dorf die erste Sehenswürdigkeit der wunderschönen Helgelandküste. Ein Nadelöhr, bei welchem mit unglaublicher Naturgewalt und mit bis zu 40m/s die Gezeiten hin und her gepresst werden. Als wir an der Touristeninformationstafel darauf aufmerksam gemacht wurden, dass diese Sehenswürdigkeit auch betaucht werden kann, funkelten unsere Taucheraugen auf.

Da es mit den Tauchgängen in Narvik leider nicht geklappt hatte, waren wir mehr als nur glücklich, einen für uns unbekannten aber sehr sehenswerten Tauchspot gefunden zu haben. Es stellte sich heraus, dass Saltstraumen für unglaubliche Tauchgänge und eine verblüffende Artenvielfalt berüchtigt ist. Dies liegt an der immensen Strömung, welche tagtäglich nährstoffreiches Wasser an diesem Punkt hin und her wälzt. Diese Gegebenheit schuf in Saltstraumen ein Tauchparadies, was wohl jeden Taucher begeistern wird.

Die Tauchschule Saltstraumen Dykke Camp von Fredric Ihrsen liegt direkt beim Campingplatz und somit neben der grossen Brücke am Gezeitenstrom. Quasi als «Drop in»-Kunde wurden wir sehr nett und unkompliziert empfangen. Schon etwas überrascht und überrumpelt von unserem plötzlichen aufkreuzen, war Fredric aber sehr bemüht mich irgendwie in seinen Schulungstauchgängen unterzubringen. Dies war sehr zuvorkommend, da wir gerade mal auf der Durchfahrt waren. So fanden wir uns dann schliesslich inmitten eines AOWD (Advanced Open Water Diver) Kurses wieder und bekamen ein ausführliches Briefing über den geplanten Tieftauchgang und die Risiken und Tücken des Gezeitenstroms.

Der Tauchgang wurde um Punkt 19:20 Uhr angesetzt. Dies war der Zeitpunkt, kurz bevor die Strömung von Flut auf Ebbe wechselte. Gerade mal so, dass wir mit der Strömung hinein und hinaus getragen wurden. 
Sehr gespannt und mit einem hohen Mass an Respekt ging es nun über die mit Seetang bewachsenen Felsen in eine kleine Bucht, welche uns beim Abtauchen als Strömungsschatten diente. Das Wasser war von den letzten Regenfällen etwas getrübt, doch machte die etwas eingeschränkte Sicht den Tauchgang noch spannender als er es bei den üblichen Sichtweiten gewesen wäre.
Die mit Seetang bewachsenen Felsen, die farbenfrohen Steilwände, die Strömung und natürlich die immense Artenvielfalt machten den Tauchgang zu etwas ganz besonderem. So werden die zahlreichen Nacktschnecken mit ihren Eiernestern, die in den Spektralfarben schimmernden Rippenquallen und der riesige Heilbutt fest in meiner Erinnerung an dieses Abenteuer verankert sein.

Die Farbenpracht und die Artenvielfalt weit oberhalb des Polarkreises ist verblüffend und wird uns bestimmt ein weiteres mal in den Bann ziehen. Die Erfahrung von Fredric im Gezeitenstrom war bemerkenswert und bescherte mir einen unvergesslichen Tauchgang – vielen Dank.

Grüsse aus der Flut
Stefan