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Deep Sea - Eine Reise Richtung Mittelpunkt Der Erde

Tieftauchen war bislang nicht mein Ding, doch bei meinem Aufenthalt auf Cocos Island konnte ich meine Tieftaucherfahrung deutlich steigern - einmal auf 225 Meter und einmal auf 325 Meter - wenn das mal nichts ist? Allerdings muss ich zugeben, dass ich dabei ein klein wenig Hilfe hatte - und zwar von einem U-Boot mit normalem atmosphärischem Druck, der "Deep See". Wer den Film "The  Abyss" gesehen hat, oder eine der wenigen Expeditionen von Tauchbooten wie Alvin im Fernsehen mitverfolgen konnte, hat den Anflug einer Idee, was ein richtig tiefer Tauchgang ist! Mit einem U-Boot wie der "Deep See" ist man recht leise unterwegs. Vorab ist es nicht viel anders als bei einem "normalen" Tauchgang. Die 40 Meter Marke haben ja schon viele Taucher überschritten, und je nach  Licht- und Sichtverhältnissen ist es mal heller oder dunkler, man sieht viel oder nichts - alles in allem also wie gewohnt. Die Zutraulichkeit der Fische kennen die Rebreather-Taucher unter uns - und doch ist hier alles etwas anders. Die tolle Sicht sowie die unzähligen Fische, Mantas und Haie sind ein extra "Zuckerl", das die Gewässer vor Cocos Island zu bieten haben, und machen dementsprechend auch eine Reise in Richtung Mittelpunkt der Erde noch attraktiver - womit wir auch wieder beim Thema wären.

Unser Kapitän ist Avi Klapfer, einer der Betreiber der Seahunter-Flotte, und zugleich ein begnadeter Unterwasser-Fotograf und mit Herz und Seele U-Boot Kapitän. Schon allein durch seine ersönlichkeit wird unser geplantes Tiefseeabenteuer zu einem noch größeren Erlebnis. Wir haben einfach viel Spaß, was auch daran liegt, dass uns Avi alles bis ins kleinste Detail erklärt. Im einem Routine-Sicherheitsbriefing lernen wir, wie man die "Deep See" an die Oberfläche bringt, mit der "Top See", dem Überwachungsboot an der Oberfläche, kommuniziert, und vor allem, wie man die "Deep See" im Notfall steuert respektive auftaucht. 
Wir werden also zu kleinen U-Boot-Fahrern ausgebildet. Wobei uns eingeschärft wird, eine eventuelle Ohnmacht des Piloten keinesfalls für eine "Spritztour" auf 300 Meter Tiefe (oder mehr) auszunutzen - Schade eigentlich.

Das Abenteuer beginnt.
Doch dann startet unser Abenteuer. Während wir an der Oberfläche von der "Top See" in die Nähe unseres (tiefen) Tauchplatzes gezogen werden, ist die Plexiglaskuppel des U-Bootes noch mit einem Tuch abgedeckt. Dies dient vor allem dazu, das teure Stück beim Auf- und Abladen bzw. beim Boarding nicht zu beschädigen und außerdem die Sonnenstrahlen abzuschirmen, da es sonst bereits vor dem Abtauchen verdammt warm im Inneren wird. Und dann ist es endlich so weit. Einer der Jungs von der  Begleitcrew schnorchelt auf uns zu und lüftet die schützende Plane - die "Deep See" erstrahlt endlich in ihrer vollen Schönheit! 
Wir genießen den erhebenden Moment, auf offener See mit unserem U-Boot zu treiben. Ein paar Minuten später finden wir es weniger toll, immer noch auf offener See zu treiben, denn eigentlich waren wir ja zum Tauchen gekommen. Avi wendet sich breit grinsend an uns und meint, es habe wohl jemand beim Gewicht gelogen - aber eines ist fix: Ich war’s nicht!
Doch dieser kleine Rückschlag sollte nicht lange währen, unser Gewichtsproblem ist schnell gelöst. In weiser Voraussicht besitzt die "Deep See" an der Außenhülle Bleikammern, in die der uns immer noch umkreisende Ofer (wir erinnern uns: der freundliche Herr, der unsere Plane abzog) rasch noch 20 kg Zusatzballast versenkt. Dann noch ein kleiner Schubs und schon geht es abwärts. In dem Augenblick, als die Plexiglaskuppel im Wasser versinkt wird sie unsichtbar und lediglich das ständige Anstoßen des Kopfes erinnert uns wenig später noch an ihre Existenz. Wir sinken und starren gespannt auf die uns umgebenden Armaturen und Anzeigen. 
Irgendwie erinnert der Anblick an eine Kreuzung aus Flugzeugcockpit und den Leuchtanzeigen eines Ghettoblasters aus den 70ern - frei nach dem Motto: umso bunter umso besser!

Die "Deep See" sinkt weiter, Avi gibt minütlich die Anzeigenwerte und GPS-Koordinaten durch und macht, was ein U-Boot-Kapitän 
eben so machen muss. Wir hingegen machen was Touristen eben so machen müssen: wir sind vollkommen fasziniert von der Umgebung und 
was uns so mitten im Blauwasser alles begegnet. Wir zücken unsere Kameras und machen die ersten, ob des 15 cm dicken Plexiglasdomes völlig unscharfen, Bilder von Mantas und einer Hammerhaischule - doch so richtig spannend wird es das erste Mal, als wir feststellen, dass sich das "Snelliussche Fenster" (der helle Kreis an der Wasseroberfläche, den wir beim Blick nach oben immer zu sehen gewohnt sind, und der dem Betrachter - dem Snelliusschen Brechungsgesetz folgend - immer genau 96° in den blauen Himmel freigibt) schließt. Dies passiert in einer Tiefe von rund 160 Metern, wo wir auch dem letzten Adlerrochen und zum letzten Mal Mantas begegnen.


Die Deepsee ist neben jeder Menge Technik auch mit jeder menge Licht und hochwertigen Kameras im Gates Gehäuse ausgestattet - die Fahrten mit den Touristen sind nicht die einzige Aufgabe des U-Bootes. Die interessanten Passagen jeder Tauchfahrt werden aufgezeichnet und archiviert. Ein großes Archiv wurde auf diese Art und Weise bereits angelegt und mehr und mehr neue Entdeckungen gemacht. So hat man etwa auch erforscht, dass in etwa 300 Meter Tiefe rund um Cocos Island eine dem Sandtigerhai verwandte Art, die so genannten "Prickly Sharks" (Achinorhinus Cookie) zu finden sind. Natürlich hoffen wir darauf, einem solchen zu begegnen. Dies wäre kaum zu toppen, doch wir wagen kaum daran zu glauben.

Sobald der Grund sichtbar wird, ist er sandig und schräg abfallend. Plötzlich - bei rund 200 Meter - stehen wir vor einer schwarzen Kante, der Tiefseeriffkante der Cocos Platte, vergleichbar der Kontinentalplatte. Avi setzt das U-Boot hinter der Kante auf und wir blicken fassungslos die Wand entlang. Der Meeresgrund unter uns ist nun geschätzte 1.000-1.500 Meter entfernt - ganz schön tief also! Nach einer Foto- und Redepause zum Innehalten ob des gewaltigen Anblickes, folgen wir der Platte entlang und tauchen weiter ab. Schlussendlich wollen wir ja noch sehen was die 300 Meter Grenze zu bieten hat. Es ist wahrlich beeindruckend - die skurrilsten Fische offenbaren sich uns gleichzeitig mit unzähligen, bunten Riffbarschen wie wir sie auch am Riffdach finden. Leuchtende, knallorange Quallen ziehen an uns vorbei, wir sehen Riesenkrabben, aalartige Fische, Anglerfische und Zackenbarsche in einer Größe, die es sonst nur im Taucherlatein gibt. Alles zusammen überaus beeindruckend und vor allem spannend. Doch der krönende Abschluss sollte noch kommen - wir filmen und fotografieren zwei "Prickly Sharks". Auftrag erfüllt!


Als wir nach rund 2,5 Stunden wieder an der Oberfläche angelangt sind, überschlagen sich die Eindrücke in unserem Kopf. Die Fahrt hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Doch wie es im Leben eben üblich ist, hat alles auch seine Kehrseiten - in diesem Fall der Preis. Natürlich gibt es solche ausgefallenen Trips nicht umsonst. Die Preise belaufen sich ab USD 600,- für eine 100 Meter Fahrt bis zu USD 2.500,- für 450 Meter Fahrten - pro Person versteht sich. Da das U-Boot allerdings seine wissenschaftliche Forschungsarbeiten durch die Tauchfahrten mit Gästen finanziert, ist es ja so gesehen beinahe für einen guten Zweck - vom  Erlebnis für uns Gäste gar nicht erst zu reden. Ein echter "Once-in-a-Lifetime"-Trip sozusagen!

Liebe Grüsse
Christine Gstöttner


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