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Malediven sind nicht gleich Malediven

Manchmal hat man wirklich mehr Glück als Verstand.  Zum Beispiel, wenn einem der Kunde mitteilt, dass er das abschliessende Steering Committee Meeting für Dein aktuelles Projekt in Malé abhalten möchte.  

Natürlich habe ich meinen Flug so gebucht, dass ich ein paar Tage früher ankomme und ein paar Tage später wieder abfliege. Und natürlich habe ich mir nicht auf Malé direkt ein Hotel gesucht (ausser dem Trader's gibt es da auch nichts nennenswertes), sondern habe mir eine nette Ressort-Insel ausgesucht. Dabei sollten Bier- oder Weingeniesser auch wissen, dass Malé eine "trockene Insel" ist. D.h. selbst in den Hotels ist Alkohol verboten. Ewig weit weg von der Hauptstadt konnte ich allerdings auch nicht sein - man muss für seinen Kunden und für sein Team ja irgendwie erreichbar bleiben.
 

Ich habe mich für die Sheraton-Insel Furanafushi entschieden, gerade einmal 15-20 Minuten mit dem Speedboat vom Flughafen. Und da sind wir auch schon wieder beim Titel dieses Berichts. Es liegt mir fern, mich unter den gegebenen Umständen über irgendetwas wirklich zu beschweren. Aber Malediven-interessierte Leser sollten wissen, dass es schon eine Rolle spielt, wo genau auf den Malediven man seinen Tauchurlaub verbringt.
 

Im Prinzip ist das Sheraton eine tolle Anlage, und das "Maldives Feeling" stellt sich sehr schnell ein. Korallensand, Strandhütten, Wasserbungalows, drei Bars, fünf Restaurants, junge Haie vorm Badestrand, obszöne Preise - alles ist da.  So auch eine EuroDivers Tauchbasis. Diese ist gut organisiert, scheint vernünftige Ausrüstung zu haben (ich hatte allerdings mein eigenes Zeug), und lässt durchaus mit sich reden wenn es um die Auswahl der Tauchplätze geht. Ich war allerdings überrascht, dass da so wenig los war. Auf manchen Ausfahrten war ich der einzige Taucher auf dem Boot; obwohl das Ressort zu 72% belegt war, wie ich herausfinden konnte. Nur ein paar "discover scuba" Gäste waren ab und zu mit an Bord. Mir wurde aber schnell klar, was ein Grund dafür sein kann: Urlauber, die vorrangig auf's Tauchen Wert legen, kommen eher nicht nach Furanafushi.
 

Die Nähe der Insel zu Malé und zum Flughafen bringt jede Menge Bootsverkehr mit sich und beeinflusst sicher auch die Wasserqualität. Ausserdem ist man meist nicht in der Nähe der exponierten Aussenseite des Atolls. Dass die grossen Vertreter der Meeresfauna stressfreiere Gegenden bevorzugen, dürfte eigentlich auf der Hand liegen. So war dann auch von Mantas nichts und von grösseren Haien so gut wie nichts zu sehen.  Zwei schlafende Ammenhaie in einer tiefen Felsspalte waren die Ausnahme, die die Regel bestätigten. Dafür gab es eine ganze Menge Schildkröten, grosse Langusten, Muränen bis zum Abwinken und einmal auch einen gewaltigen Stechrochen von deutlich über einem Meter Durchmesser.
 

Es gibt hier kein nennenswertes Hausriff, also wird vom Boot getaucht. Die Fahrzeiten zu den Divespots liegen zwischen 10 und 45 Minuten. Die Crews von Boot und Tauchbasis sind sehr hilfsbereit und kümmern sich gut um die Ausrüstung. Das funktioniert noch besser, wenn sie wissen, dass Ihr nach Rückkehr zur Tauchbasis kleine Trinkgelder in ihre Box steckt.
 

Die meisten Tauchgänge hier führen in den Bereich jenseits von 20m und ganz strömungsfrei geht's selten zu. Man sollte also ein bisschen Erfahrung mitbringen. 30m und 60 Minuten sind allerdings gesetzlich als Maximalgrenzen vorgeschrieben. Die Wassertemperatur war mit ca. 29 Grad höchst angenehm, die Sicht liess jedoch (zumindest in dieser Gegend) oft zu wünschen übrig. Die Riffe sind durchaus attraktiv und augenscheinlich in gutem Zustand. Allerdings lag auf den Korallen eine Unmenge Sand, der scheinbar zu bestimmten Jahreszeiten von den Strömungen dort abgelagert wird. Wer sich das Bild mit dem spiny lobster etwas genauer anschaut, wird feststellen, dass es in der rechten Bildhälfte zu schneien scheint und dass überall eine weisse Schicht herumliegt. Das trübt natürlich den Eindruck von den Riffen. Hier sind Nachttauchgänge unbedingt zu empfehlen. Das künstliche Licht der Lampen und der starke Kontrast zum dunklen Wasser ringsherum bringt ungeahnte Farben in den Riffen hervor. Dass Hannes Reef z.B. hat Weichkorallen in einer unglaublichen Farbenvielfalt.  
 

Den Gesamteindruck getrübt hat vielleicht auch der dive guide, der scheinbar eine Karriere in der russischen Marine hinter sich hatte. Er war mit dem unglaublichen Talent gesegnet, die Einstiegsstellen immer so zu wählen, dass man grundsätzlich gegen die Strömung flösseln musste, um zum interessanten Teil des Tauchspots zu kommen. Natürlich ist dabei schnell die Flasche leer und man hat wenig Geduld, sich in Ruhe umzuschauen. Auf diese Weise haben wir die cleaning station am Manta Point komplett verpasst. 
 

Insgesamt durchaus nettes Tauchen, auch wenn meine - vielleicht etwas hoch gesteckten - Erwartungen nicht ganz erfüllt wurden. Das Rote Meer ist im Vergleich zur Gegend um Furanafushi um Längen besser, womit sich die Frage stellt, ob die lange Anreise und die hohen Preis sich wirklich lohnen. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass dies nicht für die Malediven insgesamt gilt. Tausende von Tauchern können sich ja nicht so irren. Stattdessen glaube ich, dass sich die Malediven zum Tauchen dann lohnen, wenn man noch ein bisschen mehr Aufwand betreibt und sich per Wasserflugzeug weit von Malé weg bringen lässt.
 

Ich schätze mich dennoch sehr glücklich. Immerhin konnte ich eine Geschäftsreise zum Anlass nehmen, um mal ein paar Erfahrungen vor Ort zu sammeln. Auf diese Weise bin ich ein Stück schlauer, wenn es an die Buchung des Malediven-Urlaubs mit der Familie geht. Und Spass beim Tauchen hatte ich natürlich trotzdem. Ich kann mich wie gesagt nicht wirklich beschweren.
 

Beste Grüsse Thiemo


Über dem Wasserspiegel

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Die Unterwasserwelt

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