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Fairy Tale - ein märchenhafter Platz

Erst vor zwei Tagen sind wir angekommen auf Helengeli auf dem nordöstlichen Außenriff des Nord Male Atolls. Und schon lesen wir auf der Vorankündigung der örtlichen Tauchbasis "Fairy Tale (Manta Platz)" für den kommenden Tag. Der Puls beschleunigt sich merklich, und wir müssen nicht lange diskutieren: Da fahren wir mit. 

Am Abend noch mal (zum x-ten Mal!) das Fotoequipment kontrolliert: Speicherkarte leer, Akkus voll, Blitz funktioniert, O-Ringe dicht... Schließlich soll das Erlebnis ja fehlerfrei für die Daheimgebliebenen und die Nachwelt auf den Sensor der Kamera gebrutzelt werden. Ich entscheide mich mutig für das 8mm Fisheye Objektiv. Entweder die Mantas kommen so nah, dass sie auch mit einem Aufnahmewinkel von 180° formatfüllend abgelichtet werden können, oder sie haben halt Pech gehabt! Die anderen UW-Fotografen schütteln ein wenig ungläubig den Kopf.
Am nächsten Morgen sind wir bereits 15 Minuten vor der Abfahrt des Tauchdhonis an der Jetty. Bloß heute nicht das Boot verpassen. Die Fahrt zum Riff dauert nur etwa 30 Minuten. Schön, dass Helengeli eine Außenriffinsel ist. Das garantiert kurze Anfahrten zu den Topplätzen der Region.
Das Briefing an Bord ist kurz. Fairy Tale ist ein kleiner Korallenblock auf einer Sandstraße in ca. 10 Meter Tiefe, der von Mantas regelmäßig als Putzerstation genutzt wird. Der Plan ist einfach: Abtauchen, auf geradem Weg zur Putzerstation und dann am Grund auf die Mantas warten. Hört sich nicht schwierig an.
Schon beim Abtauchen merken wir, das wird anstrengender als gedacht. Es zieht recht stark, und zwar genau von vorn. Also in die Flossen getreten. Die Kalorien des Frühstücks sind ganz sicher aufgezehrt, als wir den Riffblock erreichen. Wohl dem, der einen Strömungshaken sein eigen nennt. Gerade für Fotografen, die beide Hände frei haben müssen, ist das bei starker Strömung eine unverzichtbare Hilfe. Einklinken, ein wenig Luft ins Jacket, und schon schwebt man entspannt einen Meter über Grund.
Das war geschafft - aber wo sind die Mantas? Wir schauen uns um. Nichts als Taucher (mit den dazugehörigen Bubbles). Auch die Sicht ist nicht berauschend. Wir starren ins trübe Blau. Die Minuten verstreichen. Dann endlich - ein Schatten, und dort noch einer. Sie kommen! Insgesamt zählen wir 12 Mantas, aufgereiht wie auf einer Perlenkette. Immer einer steht über dem Riff und lässt sich putzen, während die anderen geduldig warten, bis der Platz frei wird. So weit, so gut. Ich schaue durch den Sucher - ganz weit weg ein paar kleine weiße Objekte. Na klar, 8mm Brennweite! Da sieht alles, was nicht unmittelbar vor dem Domeport ist, klein aus. War wohl doch die falsche Objektivwahl. Aber so schnell lasse ich mich nicht entmutigen. Ich löse den Haken und arbeite mich weiter nach vorn. Na bitte, schon näher dran. Aber jetzt sind auch meine Mittaucher größer im Bild und versperren mir mit ihrem Vorhang aus Bubbles den Blick auf die Tiere. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz drehe ich mich um, und mir erstarrt fast das Blut in den Adern. Direkt schräg hinter mir keine 2 Meter entfernt steht ein Manta fast unbeweglich in der Strömung und wartet auf den Einsatz der Putzer. Jetzt bloß nicht hektisch werden. Vorsichtig hebe ich die Kamera. Das Shooting kann beginnen...
Logbuch und Profil des Tauchgangs wiesen später eine Stunde Tauchzeit aus, und fast die ganze Zeit über waren die Mantas dabei. Auch ohne Kamera hätte sich dieses Erlebnis wohl unauslöschlich in meine Erinnerung gebrannt. So aber habt ihr auch noch was davon. 

Liebe Grüsse

Reinhard

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