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Haie sind neugierig und nicht aggressiv

Rotes Meer. Eine Tauchsafari ist etwas Besonderes.
Taucher aus der ganzen Welt träumen davon oder waren schon bei einem solchen
Erlebnis dabei. Man hat die Chance mit Spezialisten Tauchplätze anzufahren, die
für den normalen Touristen praktisch unerreichbar sind. Die Natur und die
Unterwasserwelt sind noch beinahe unberührt und bieten einen unfassbaren
Reichtum an Korallen, Fischen und sonstigen Lebewesen.
Auch die grossen Tiere trifft man bei den auftauchenden Riffen zahlreich.
Die Haie, die Könige der Unterwasserwelt, finden dort ihre Nahrung.
Zudem sind sie nicht ganz uninteressiert, wenn sich hin und wieder einmal
ein Taucher blicken lässt. So geschehen bei meiner letzten Safari-Tour zu den
Brother Islands inmitten des Roten Meeres.
Jedem Taucher ist bewusst, dass er irgendwann einem Hai begegnen kann. 
Manche Taucher legen es sogar drauf an auf Haie zu treffen.
Ob es immer ratsam ist, darüber streiten sich die Experten.
Wahrscheinlich gibt es keine Killerhaie wie im Film "Der Weisse Hai",
doch Kuscheltierchen sind sie auch nicht.
Wenn man einem Hai begegnet, sind das immer sehr
spezielle Gefühle. Es ist ein emotionaler Mix zwischen Erfurcht, Staunen, Glück
und Angst. Den schliesslich bewegen wir uns in der freien Wildbahn mit einem
Raubtier, das von der Natur perfekt als Räuber ausgestattet wurde. So gut, dass
die Haie Millionen von Jahren überleben konnten. Also von Kuscheln kann keine Rede
sein wenn ein drei Meter Weissspitzen-Hochseehai auf einen zu schwimmt.
Ganz besonders nicht, wenn man merkt das der Hai bewusst auf einem zusteuert.
So viele Haiarten wir kennen, so verschieden sind auch
die Charakteren der Haie. Scheue, nervöse, liebe und aber auch neugierige Haie
sind anzutreffen. Der letztere ist fast der gefährlichste, da er aus Neugier
fast alles in den Mund nimmt, um festzustellen, ob es als Nahrung taugt. Fast
schon spielerisch Nähert sich der Hai einem Gegenstand, der sein Interesse
geweckt hat. Zuerst berührt er es eins, zwei mal mit den Seitenflossen, dann
stupst er es mit der Nase, und irgendwann setzt der Hai, schon fast in
Zeitlupe, zu einem Gaumenbiss an. Dabei drückt er den Gegenstand gegen seinen
Gaumen, um zu sehen, ob das Ding seiner Nahrung entspricht.
Wie in den Bildern zu sehen ist, prüft ein Hai auch mal die
Boje eines Tauchers. Meine Boje. Man kann also nicht von Aggressivität
sprechen, es ist eher eine angeborene Neugier des Haies. Wer meint er könne in
der Wüste an einem Rudel Löwen vorbei laufen, geht ein erhebliches Risiko ein.
Er könnte gefressen werden. Der Löwe ist ein Raubtier und die Leute denken, da
kann das schon passieren. Wenn aber ein Hai einen Menschen anfällt wird seine
gesamte Rasse gleich als Monster verurteilt. Übrigens, meine Boje im Bild ist
völlig unversehrt geblieben und ich auch. Habe ich jetzt Glück gehabt?
von: Stefan Heer

Longimanus (Hochsee Weissspitzenhai)

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