Deutsch
English

Mosambik - Big Fish!

3, 2, 1 - Go! Nach diesen Worten geht es für mich rückwärts vom Schlauboot in das 28 Grad warme Wasser des Indischen Ozeans vor Mosambik. Nachdem sich die Blasen aufgelöst haben und ich die Hand vom ersten Druckausgleich wegnehme, sehe ich sie: 4 Mantarochen kreisen genau unter mir über einer Putzerstation in ca. 12 Meter Tiefe. Wahnsinn!  

Trotz der zwei 85 PS Motoren des Schlauchbootes dauerte die Fahrt zu dem am weitest entfernten Tauchplatz von Tofo in der Nähe von Inhambane, etwa 45 Minuten. "Manta Reef" nennt sich die Lokation.
Da lässt sich schon vermuten, dass die Chance Mantarochen zu sehen, sehr hoch ist. Dass es jedoch direkt nach dem Eintauchen sein sollte, damit hatte niemand von den 12 Tauchern gerechnet, die bei Tofo Scuba den Tauchgang gebucht hatten.
 

Die Tiere hatten eine Spannweite von ungefähr drei Metern und ließen sich von den langsam herabsinkenden Tauchern überhaupt nicht stören. Beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit und Anmut die Rochen trotz ihrer enormen Größe durch das Wasser schweben. Der Diveguide, der die ganze Zeit darauf geachtet hatte, dass sich niemand den Rochen zu sehr näherte, konnte die Taucher nur mit Mühe und Not zum eigentlichen Tauchprogramm zurückführen.
Es fiel einfach allen schwer, sich von diesen faszinierenden Tieren zu lösen. So eröffnete sich uns bereits in den ersten Minuten die atemberaubende Unterwasserwelt Mosambiks. 

Schöne Schnapperschwärme, große Netzmuränen und riesige Anglerfische sind nur ein Teil dieser großen Vielfalt. Jeder Tauchgang in Mosambik hält einige Überraschungen bereit: In einer Riffspalte stellte sich grade ein Zackenbarsch für mich zum Foto in Position, als es plötzlich dunkel wurde. Über mir zog ein Mantarochen mit geschätzten vier Metern Spannweite vorbei und verdunkelte das Riff. Schade, meine Kamera war leider gerade nicht bereit, da sie auf das Foto mit dem Zackenbarsch eingestellt war. Doch ich brauchte nicht lange auf eine weitere Gelegenheit zu warten. Nach etwa 30 Sekunden drehte der Manta die nächste Runde über der Putzerstation und ich konnte in Ruhe meine Bilderserie aufnehmen. Noch einmal ohne Blitz, damit es eine schöne Kontur gab und schon musste ich wieder los, damit ich den Anschluss an die Gruppe nicht verlor. Leider war das Spektakel schon nach 45 Minuten vorbei und ich konnte zufrieden meine Aufnahmen begutachten. 
 

Auf der Rückfahrt von jedem Tauchgang ist es Tradition, nach einer weiteren Attraktion Mosambiks Ausschau zu halten: Dem Walhai! Bis zu 12 Meter sind bei dem größten Fisch der Welt schon gemessen worden. Allerdings haben die meisten Walhaie, denen Taucher unter normalen Umständen nur selten begegnen, eine Größe zwischen fünf und acht Metern. Bemerkenswert ist, dass vor den Küsten von Mosambik in der Hochsaison von November bis Anfang April fast schon eine Walhai "Garantie" gegeben wird, so häufig kann man das Tier hier antreffen.
 Dieses Mal hatte es mit den Walhaien zwar nicht geklappt, aber dafür sind ja die speziellen Walhai-Schnorchel-Safaris da, die in Tofo angeboten werden und an denen auch Nicht-Taucher teilnehmen können.  

Soviel Mosambik zu bieten hat, so beschwerlich ist jedoch die Anreise. Direktflüge nach Inhambane von Deutschland aus können vergeblich gesucht werden. Als Erstes muss man in das südafrikanische Johannesburg, um dann von dort den Anschlussflug nach Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, zu nehmen. In das etwa 500 km nördlich von Maputo gelegene Inhambane gibt es dann Charterflüge für etwa 80 Euro, die auch vor Ort buchbar sind.  Für mutige Abenteurer, die noch etwas von Land und Leuten mitbekommen möchten, gibt es auch noch die Möglichkeit von Maputo aus den Bus zu nehmen. Das kostet nur etwa fünf Euro, ist aber durch die mehr oder weniger schlechten Straßen und die hohen Außentemperaturen mit einigen Strapazen verbunden. Hierbei ist dringend der Express Bus zu empfehlen, der nur etwas mehr kostet, aber weitaus weniger Stopps macht und kein "Federvieh" mitführt. 
 

Die touristische Infrastruktur in Tofo ist leider schlecht ausgebaut. Auf dem kleinen Markt, auf dem man vor allem frisches Obst erwerben kann, sucht man vergebens nach Elektronikzubehör. Stromausfälle sind keine Seltenheit und das Frischwasser zum Duschen kann auch schon mal knapp werden. Fortschrittlich ist jedoch das kleine Internetcafé mit Satellitenverbindung, in dem man kostengünstig ein paar E-Mails schreiben kann.
 

Nikka Tella und John Pears leiten seit 10 Jahren Tofo Scuba, die größte der drei Tauchbasen in Tofo. Diversity Scuba und Liquid Adventures sind etwas kleiner, bieten aber genauso guten Service und Freundlichkeit. Alle Basen besitzen ein oder mehrere Schlauchboote, die speziell für Taucher ausgerichtet sind und Platz für 12 Personen bieten. Täglich werden von jeder Basis zwei bis drei Tauchgänge angeboten die etwa zwischen 7 bis 8 Uhr morgens starten. Da es kein Hausriff gibt, wird jeder Tauchgang mit den Booten unternommen. Wegen der teilweise rauen Bedingungen ist ein Advanced Brevet zu empfehlen, um die komplette Vielfalt der Unterwasserwelt Mosambiks kennenzulernen.
 

Neben den kleinen, komfortablen Hotels bietet Tofo Beach für Abenteuerlustige auch einige Backpacker Lodges an. Diese Unterkünfte für Rucksacktouristen sind trotz Ihrer Schlichtheit durchaus zu empfehlen. So bieten zum Beispiel die Bambushütten der Bamboozi Lodge nur eine Matratze und ein Moskitonetz, man braucht aber auch nicht mehr. Die Sanitäranlagen sind sehr sauber und das kleine Restaurant auf der Anhöhe mit fantastischem Ausblick auf die Bucht bietet sehr leckeres Essen. Mit 15-20 Euro am Tag inklusive der Unterkunft und Essen kann man hier sehr günstig leben. Wer es noch exotischer mag, der sollte das "Restaurant" der Einheimischen im Dorf besuchen. Es gibt jeden Tag nur den frisch gefangenen Fisch mit einer riesigen Portion Reis und Salat für umgerechnet zwei Euro - Speisekarten gibt es nicht.
 

Am nächsten Tag war auch endlich meine Walhai-Safari startklar und ich legte meine Schnorchelausrüstung sowie die Kamera in das Schlauchboot, um beim Anschieben des Bootes ins Wasser zu helfen. "Girls, jump up!" rief der Skipper, damit nun alle Frauen ins Boot springen konnten. Wir Männer mussten noch weiterschieben, bis wir mit der Brust im Wasser waren, um dann endlich auch ins Boot klettern zu dürfen. Ich war gespannt, ob ich heute den Traum aller Taucher wahrmachen konnte: Die Begegnung mit einem Walhai! Nachdem wir aus der kleinen Bucht von Tofo Beach hinausgefahren waren, stellte sich der Guide an den Bug und hielt nach dunklen Flecken Ausschau, die sich unter der Wasseroberfläche abzeichnen. 5 Minuten gingen vorbei...dann 10 Minuten...ich kann meine Spannung kaum in Worte fassen, während wir vor der Küstenlinie unsere Kreise zogen. "Da! 20 Meter auf der rechten Seite!" brüllte der Skipper. Das Boot machte eine Kurve, damit wir kurz vor dem großen, schwarzen Fleck aussteigen konnten. Sachte ließen wir uns ins Wasser gleiten, um das Tier nicht zu erschrecken. Nach einer kurzer Orientierung sah ich ihn dann: Allerdings "nur" einen großen Mantarochen. Ein bisschen enttäuscht war ich schon, da wir ja eigentlich einen Walhai sehen wollten. Trotzdem waren wir alle gleich wieder von dem Tier begeistert, das seine Bahnen durch das planktonreiche Wasser zog. Fünf Minuten später versammelten wir uns wieder im Boot und machten weiter mit der "Jagd" auf den größten Fisch der Welt. Zum Glück mussten wir nicht lange warten. Wieder fuhr uns das Boot bis kurz vor das Tier, damit wir bequem von der Seite herantauchen konnten. Jeder von uns war bis zum Zerreisen gespannt, ob es denn nun der erwartete Walhai war. Und endlich war er es auch! Dazu noch ein Prachtexemplar von stolzen 8 Metern Länge, wie mir im Nachhinein der Guide bestätigen konnte. Trotz des warmen Wassers lief mir eine Gänsehaut über den Rücken, als er langsam unter der Wasseroberfläche dahinzog. Erst jetzt merkte ich, wie schwierig es doch ist, mit einem so großen Tier mitzuhalten. Seine sanften Bewegungen täuschen gewaltig. Während ich dabei war, den Hai in seiner vollen Größe zu fotografieren, sah ich in meinem Blickfeld plötzlich einen zweiten Walhai auftauchen. Ein unglaubliches Treffen der Giganten! Ich ärgerte mich, dass mein Weitwinkelobjektiv es nicht schaffte, beide Tiere gleichzeitig auf das Bild zu bekommen. Nach kurzer Zeit war es dann aber leider schon wieder vorbei, da beide Walhaie abtauchten und wir ihnen nicht mehr folgen konnten. Zurück auf dem Boot blieb uns aber das Glück treu und wir bekamen in den nächsten 1,5 Stunden etwa 10 Walhaie zu Gesicht. Ein absolut unvergesslichen Erlebnis, das jedem Taucher ein Leben lang im Gedächtnis bleiben wird. Bei jeder zweiten oder dritten Ausfahrt trifft man auch noch Delfine, erzählte mir Steve, der Guide, auf dem Rückweg. Dann sahen wir auch schon wieder die Palmen von Tofo und der Skipper rief: "Gut festhalten!", bevor er noch einmal Gas gab, um dann mit voller Geschwindigkeit das Schlauchboot auf den Strand zu setzen! Wer bis jetzt noch kein Grinsen im Gesicht stehen hatte, der bekam es spätestens jetzt!


Klick auf das Photo um es zu vergrössern!