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Norwegen - Abenteuer, Freiheit und eine Herausforderung

Wer bei einem Gedankenspiel die Begriffe "Tauchen" und "Norwegen" kombiniert, kommt wohl kaum auf ein Tauchresort, bei welchem man mit allem möglichem Luxus verwöhnt und allen denkbaren Bequemlichkeiten umsorgt wird.

Nun ja, das ist auch richtig so.
Schliesslich ist Norwegen ein raues und wildes Land, welches bei einem Taucher den Pioniergeist wecken sollte.

© Frank Resagk

Wie schon oft, geht unsere Expedition "Narvik bis Tromsø" nach Nordnorwegen, in die Region Lofoten. Da ich schon viele Male dort oben war, wollten wir neue Wracks anfahren und diese erkunden. 

In den vergangenen Jahren immer mit gutem Wetter gesegnet, war dieses Jahr genau das Gegenteil der Fall. Von drei Wochen waren zwei Wochen regnerisch mit Tagestemperaturen von 8-10 Grad.
Der "Trocki" ist natürlich Pflicht beim Tauchen in Norwegen, und bei 6° Wassertemperatur weiss man die Vorzüge dieses Ausrüstungsteils auch zu schätzen. Bei diesem Wetter bestätigt sich die allgemeine Meinung, dass Norwegen einfach nur kalt ist, doch zum Glück kenne ich es auch anders.

Angekommen in der "Eismeerstadt" Tromsø, versuchte ich Informationen zu bekommen, ob wir am Wrack der "Tirpitz" tauchen dürfen. Ich hatte davon gehört, dass es ein Tauchverbot geben soll. Leider waren keine brauchbaren Infos zu bekommen. So gingen wir am nächsten Tag an diesem historischen Tauchplatz ins Wasser. Es war gerade Ebbe, was den Landeinstieg ein wenig erschwerte. An der Untergangsstelle geht es langsam flachabfallend ins Wasser, alles mit Seetang bewachsen, was bedeutete langsam zwischen den Steinen und Seetang ins tiefere Wasser zu kommen. Ein Sturz mit kompletter Ausrüstung kann dann schmerzlich sein.

"SS Tirpitz" - "Die Königin des Nordens", wie das größte deutsche Schlachtschiff im II. WK genannt wurde (Tirpitz war das Schwesterschiff der Bismarck und war 2m länger), kam nach der Beschädigung durch einen gelungenen Sprengstoffanschlag der Engländer vom Hafen Alta nach Tromsø. Die nicht von außen erkennbaren Beschädigungen waren so groß, dass es keinen Einsatz unter Gefechtsbedingungen im Eismeer mehr geben konnte. Mit Tromsø als neuer Stützpunkt sollte das Schiff zur Verteidigung dieses wichtigen Hafens dienen. Am 12.11.1944 haben die Engländer nach einem Großangriff die "Tirpitz" versenkt. Nun ja, zum Kentern gebracht, trifft es eher, denn bei einer Wassertiefe von 25m kann ein bis zu 50m breites Schiff nicht wirklich untergehen.

Dieser Tauchplatz ist vom taucherischen nicht spektakulär, denn 10 Jahre wurde die "Tirpitz" abgewrackt und alles Verwertbare verkauft. Für den einen ist dieser Tauchplatz einfach ein Schrottplatz, für mich ist dieser Tauchgang ein wichtiger Bestandteil der interessanten Geschichte dieser Zeit. Nach dem Tauchgang erfuhren wir dann von Anwohnern, dass wirklich ein Tauchverbot seit Januar 2015 besteht.


Weiter ging es zum nächsten Etappenziel, der "DS Elise Schulte", ein über 100m langer deutscher Frachter, der im Februar 1942 auf Grund lief und dann sank. Zwischen 15-30m Tiefe, ein super Wrack, was mehrere Tauchgänge wert ist. Auch hier kann das Wrack ohne Boot angetaucht werden, was uns zeitlich unabhängig macht. Im 10-Meter-Bereich etwa 4-5 Minuten durch das Kelp-Dickicht tauchen, dann erreicht man das Wrack.
Direkt an der stark bewachsenen Unterseite ankommend, denkt man nicht gleich, dass es sich hier um das Wrack handelt. Doch wenn man die Steuerbordseite höher und dann über die Reling wieder hinab taucht und das Wrack bei einer Sichtweite von 20-25m sieht, erkennt man wie beeindruckend die Elise Schulte ist. Anschliessend wird die Deko im Kelp ausgetaucht, was an einem langweiligen Dekoseil zu bevorzugen ist.

Auch wenn wir eine Böschung herunter klettern mussten und wir diesen Weg mit Ausrüstung gleich zwei Mal zu laufen hatten, hatte sich diese "Kletterei" auf jeden Fall gelohnt. Dieses Wrack unter Wasser anzutauchen, um sich plötzlich vor einem riesigen Felsen wieder zu finden, welcher sich bei einem weiteren hinschauen als das gesuchte Wrack entpuppt, hat sich in meiner Erinnerung definitiv eingeprägt.

Weiter geht es nach Lofoten, welches eine Tagesfahrt entfernt ist. Angekommen treffen wir Daniel von Lofoten-Diving, bei welchen wir einige Tage zum Tauchen eingeplant haben.
Schnell sind unsere Ideen mit Daniel besprochen und der ersten Ausfahrt steht nichts mehr im Wege. Da noch einige Taucher vor Ort sind, müssen wir uns an einen Zeitplan halten, was aber kein Problem ist. In Norwegen ist "Rudeltauchen" kaum angebracht oder notwendig.
Das Wetter ist gut, also können wir das Wrack "Gudrun Gisladottir" anfahren. Der 74m lange isländische Trawler ist im Juni 2002 gesunken. Der Kapitän wollte im Sturm eine Abkürzung nehmen, jedoch war dann in der engen Fjorddurchfahrt ein UW-Felsen im Weg. Die Bordwand war aufgerissen, alle Versuche das Schiff mit weiteren Schiffen zu retten, war vergebens. Am nächsten Tag sank die "Gudrun Gisladottir" und heute steht auf Sandgrund ein optimal erhaltenes Wrack bei 40m.

Bei weiteren Landtauchgängen besuchten wir einen norwegischen Minensucher, eine dt. JU-52, sowie einen dt. Zerstörer.


© Frank Resagk | Klick auf das Photo um es zu vergrössern!

Unsere Tour hatte wettermäßig nicht so gepasst, aber wie das Sprichwort schon sagt, "Es gibt kein schlechtes Wetter - nur schlechte Kleidung".
Dieses Mal wurde versucht, bewusst vom Ufer und ohne Boot an die Wrack zu gelangen, was zeitliche Unabhängigkeit und einen Expeditionscharakter ergab.

In Nordnorwegen gibt es 1-2 Tauchbasen, die aber nicht unbedingt in der Nähe von Narvik ihren Standort haben. Also muss vieles mitgenommen werden, damit man autark ist. Die langen Autofahrten zu den unterschiedlichen Wracks, entschädigen mit einer grandiosen Landschaft, diversen Licht- und Wolkenformationen, sowie "Wrackwandern". Immer wieder treffen wir auf Wrackgerippe und verlassene Boote. Für Abwechslung war also immer gesorgt.

Abenteuerliche Grüsse
Euer Frank