Deutsch
English

Norwegen - Tauchen im Winter 2011

Warum nicht? Diese Frage hatte sich eine kleine Gruppe infizierter Norwegenfans  gestellt. Schnell waren wir uns einig, Unternehmen "Vinternorge" ins Leben gerufen und die Vorbereitungen begannen. 
Unser Ziel war es, wieder in die Region Narvik zu reisen. Wir kannten diese Gegend von Sommertouren, was würde uns der Winter wohl zeigen?
 

Mit 2 Transportern machten wir uns im November auf, um Unternehmen "Vinternorge" zu starten. Beim Treffpunkt in Flensburg hatte das Kfz. aus Berlin genauso 4 Stunden Anfahrt hinter sich, wie das Kfz. aus Bonn. Bisher eine Kleinigkeit, denn auf deutschen Autobahnen lag kein Schnee und man kam schnell voran. Aber wir sind ja noch nicht am Polarkreis, der nun in gemeinsamer Fahrt noch ca. 29 Stunden vor uns liegt. Schnell nach Südnorwegen, noch Ausrüstung (ein weiterer Reifensatz mit Spikes darf nicht fehlen) einladen und dann weiter gen Norden.

Wir kommen gut voran, kein Schnee - noch nicht - und sonniges Wetter.
Hinauf ins Dovrefjell, dann ca. 60km auf 1000m ü.n.N. fast nur geradeaus fahren. Die E6 führt durch einen Nationalpark, ein weitläufiges Gebiet, die Berge steigen weit hinten langsam an und wir haben hier beim Durchqueren tagsüber die ersten Minusgrade mit Schnee.
Die E6 ist Top geräumt und ohne Probleme zu befahren. Bei den wenigen Schneeflocken, die uns wie Konfetti vor die Windschutzscheiben fliegen, wäre schon so manches Verkehrschaos in deutschen Städten an der Tagesordnung.
Schnell haben wir Trondheim erreicht und halten nun Ausschau nach einer Unterkunft für die Nacht. Was in den Sommermonaten kein Problem darstellt, ist Ende November schon schwieriger. 90% der Sommerunterkünfte haben Winterpause und so ist "Suchen" angesagt.


Am nächsten Tag wollen wir früh starten. Es ist 8.00 Uhr und es wird langsam hell. Wieder Glück mit dem Wetter, sonnig, lässt uns auf eine optimale Überquerung des Polarkreises hoffen. Nach Narvik haben wir noch 800km, eigentlich nur 12 Std. Fahrt. Aber wie immer, es kommt oft anders.
Die E6 zieht sich nun kurvig Richtung Norden. Schneefall setzt ein und wir müssen kilometerlang hinter dem Räumfahrzeug herfahren. Diese Jungs kennen ihr Revier und sind nicht gerade langsam unterwegs. Der Schweizer Leser wird nun sagen, haben wir doch auch bei uns - wo liegt das Problem?
Na ja, wenn man dann am Spätnachmittag (15.30 Uhr) in der Dunkelheit unterwegs ist, die gut geräumten Straßen sich dann teilweise zur Eisstraße entwickeln, dann ist man schon froh, mit den Spikes unterwegs zu sein.
"Vinternorge" hat einen Zeitplan, der an diesem Tag in Narvik endet. Gegen 21.00 Uhr haben wir dann unser Ziel NARVIK, erreicht.
 Bewusst möchte ich hier auf eine Beschreibung der Tauchgänge verzichten (Einiges ist beim Bericht "Wracktauchen in Norwegen 2011" nachzulesen), vielmehr möchte ich die Erlebnisse im Winter erzählen. 

Im Winter bietet diese Gegend jeden Tag neue Naturerlebnisse. Durch den kurzen Tag (Ende Nov. ca. 5-6 h Helligkeit, Mitte Dez. nur noch 4h Helligkeit), bleibt uns Zeit für nur einen Tauchgang. Da wir kein Boot dabei hatten, nutzen wir die bekannten Wracks, die wir von Land aus betauchen können.

Erster TG am Wrack "Hermann Künne": natürlich ist die Schranke an der alten Küstenstr. verschlossen. Eine Bekannte war im Urlaub und so musste wieder die "kleine Wanderung" zum Tauchplatz angetreten werden. Handicap diesmal: fast 50cm Schnee, unberührt. Wir pflügen eine Schneise in diese ruhige Schneelandschaft. Die eisigen Außentemperaturen sind vergessen, denn im Trocki kommt man schnell ins schwitzen. Aber egal, wir wollen Tauchen.
Beim Einstieg sehen wir gegenüber der Herjangenfjords - Narvik. Optimale Sichtverhältnisse über wie unter Wasser. 20m Sicht unter Wasser, verschaffen einen guten Überblick.

Endlich wieder mit dem kompletten Gerödel zurück am Auto angekommen, lassen wir uns Zeit beim Einpacken. Es wird langsam Dunkel und es ist kalt. Der Trocki ist gefroren und man kann ihn fast hinstellen (kennt der ein oder andere Wintertaucher). Bei der Rückfahrt sternenklarer Himmel. Optimale Voraussetzungen für Polarlichter. Wir haben Glück, denn schon nach ein paar kilometern können wir dieses Naturschauspiel "Live" erleben. Die Fotoapparate klicken unaufhörlich, denn nicht jeder hat so etwas schon erlebt. Das farbenintensive Wandern am Himmel, lässt die Zeit vergessen. Einstimmige Meinung: "Man muss es gesehen und erlebt haben".
 

Ein TG an der JU-52 stand auf dem Programm. Die Straßen sind bis zum letzten Haus geräumt. Aber dennoch ist wieder der "Wandertauchtag" angesagt. Vom Sommer sind die Verhältnisse bekannt und jetzt im Winter haben wir dann doch mit dem tiefen Schnee - vom Ausstieg bis zu den Autos - zu kämpfen. In der Bergregion am Hartvikvatn liegen nun mal 0,5-1m Schnee, unberührt, verzaubert und dennoch herausfordernd.

Nach einem gemütlichen Lagerfeuer und Grillen (einfache Hotdogs schmecken plötzlich ganz anders), machen wir uns auf den Rückweg. Die vereiste Steigung bewältigen wir mit Spikereifen und Allrad ohne Probleme. Da habe ich schon mal 3h gebraucht, denn Winterreifen und beladenes Fahrzeug sind nicht ausreichend. Das gute damals, man lernt nette und hilfsbreite Norweger kennen, die einen dann mit einem Traktor wieder zu den normalen, fahrtechnischen Verhältnissen bringen. 
 

Fazit dieser Winterreise:
Die durchgeführte Tour mit Tauchen und Sightseeing, brachte uns viele, unvergessliche Eindrücke!
...bei sonnigem Himmel, die nicht zu sehende Sonne, denn ab dem 27.11. kommt sie nicht über die Bergspitzen 
...die schnee- und sturmumtobten Fjorde, mit einer grandiosen Bergwelt, welche immer wieder ein besonderes Licht herbei zauberten 
...eine besondere Tierwelt, welche im Vestfjord uns begegnete (Seeadler, Robben, Orcas) 
...und nicht zu vergessen das Farbspiel der Polarlichter - Aurora Borealis 

Natürlich ist wie immer die Zeit viel zu kurz und wenn es am schönsten ist, muss man zurück. Keiner der Teilnehmer hat es bereut, diese weite Anreise auf sich zunehmen. In 2 Wochen haben wir viel erlebt, auf engem Raum in den Unterkünften unsere Zeit verbracht, viel Natur in Nordnorwegen live erlebt und die Autos fast 8000km durch diese teils eisige Winterlandschaft gequält.
Tauchen auf eine andere Art ist im Logbuch verewigt und wird uns unvergesslich bleiben.
 

Für weitere Norwegenabenteuer stehe ich mit meiner Erfahrung weiterhin zur Verfügung.
 

Frank von NORDIC-DIVE and NATURE

Klick auf das Photo um es zu vergrössern!