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TAUCHEN IN NORWEGEN - IST DAS NICHT ZU KALT?

NEIN, denn es ist ein unvergesslicher Tauchurlaub und wer einmal in Norwegen zum Tauchen war, der wird wiederkommen. 

Wie schon in den vergangenen Jahren, stand im Juni 2011 wieder eine 10 tägige Nordnorwegen-Tour an. NORDIC-DIVE und NATURE (die mobile Tauchbasis von NORWAY-TEAM-FRANK/Dive und Adventure) betreute die Gäste vor Ort. Alles war im Vorfeld geplant und organisiert, so dass unser Ziel Narvik nach einer zweitägigen Fahrt erreicht wurde. Immerhin sind es von Berlin ca. 2500km und von Kristiansand in Südnorwegen nur 1800km. Eigentlich für 2 Fahrer nicht so schlimm, jedoch sind in Norwegen nur Durchschnittsgeschwindigkeiten von 50-70km/h zu erreichen und dementsprechend sind dann 25-30 Std. Anreise zu bewältigen. 
  

NARVIK - Der große Wrackfriedhof von Norwegen
 

"Diese Region ist so weitläufig, dass man dort 3-5 Monate verbringen kann, um die Geschehnisse der Vergangenheit zu suchen, zu besichtigen und zu betauchen."
 

Am Freitagabend kamen die Gäste per Flugzeug am Airport Evenes/Harstad an und wurden von uns abgeholt. Erste Station war Narvik, wo wir für 4 Tage unseren Ausgangspunkt hatten. Am Abend, beim Begrüßungsbier, es war gegen 23.30 Uhr, saßen wir draußen bei 24°C - ja, 24°, Helligkeit, Sonne und keine Wolken am Himmel. Dieses Wetter sollte uns 10 Tage begleiten. Der Zeitplan wurde abgestimmt und dann konnte es losgehen.
 

Zur Geschichte:
Narvik liegt weit "oben" in Norwegen. Hier wird Eisenerz aus Kiruna/Schweden antransportiert und verschifft. Im Kriegsjahr 1940 wurden Pläne von der deutschen Wehrmacht ausgearbeitet, um diesen wichtigen Hafen zu besetzen und so die Erzzufuhr zu sichern. Unter dem Namen "Weserübung" wurde dann Norwegen im April 1940 von den deutschen Truppen besetzt. Es kam zu div. Gefechten und Kampfhandlungen, die erst im Juni 1940 durch den Abzug der Alliierten Truppen zum Stillstand kamen. 

Zum Tauchen:
Narvik war der Schauplatz zweier Seeschlachten, wo am Ende div. Schiffe versenkt wurden. Heute kann man die Wracks von 4 dt. Zerstörern, 4 Erzfrachtern, 2 Flugzeugen betauchen. Eine Sondergenehmigung ist erforderlich, die aber generell erteilt wird. In der weiteren Umgebung (zwischen 1-3 Std. Autofahrt) findet man ein U-Boot, Dampfer, Frachter, Vorpostenboot und vieles mehr.  

Eingewöhnungstauchgänge von Land!
 

Natürlich wollte ich sehen, wie sich unsere "Neuankömmlinge" in dieser Nordregion von Norwegen machen. Mit dem Trocki im Kaltwasser zu tauchen, dass haben schon viele Taucher im Logbuch stehen, aber mit der Ausrüstung einen kleinen Fußmarsch zum Wrack "Herrmann Künne", anrödeln und dann bei Ebbe über Steine klettern und den Tauchgang starten, haben nur wenige hinter sich. Alles lief optimal und nun können wir zum Hartvikvatn den Tag mit einem TG an der JU-52 beenden. Der See hatte durch die spät einsetzende Schneeschmelze Hochwasser, d.h. 1,5m über Normal. Das erschwerte uns beim durchqueren eines Baches zwar ein wenig den Rückweg, dafür war der Hinweg ein bisschen einfacher, da wir uns nur zum See mit der Strömung treiben lassen mussten.
Auch die 3° Wassertemperatur bei 25° Aussentemperatur konnte den Tauchern nicht wirklich etwas anhaben.
Beim Abschlussgrillen mit einer wunderschönen Bergkulisse, ließen wir diesen Tag viel zu schnell vergehen und die ersten Eindrücke wurden am Lagerfeuer nochmals verinnerlicht.
 

Während nun ein kleines Boot zu Wasser gelassen wurde, bereiten sich die Taucher auf die Tauchgänge im Hafen von Narvik vor. In den nächsten Tagen betauchten wir die dt. Zerstörer "Anton Schmitt u. Wilhelm Heidkamp", die Erzfrachter "Stråssa" und "Martha Hendrik Fisser".

Der Abschluss der Narviktauchtage war das Tauchen im Rombaksbotn. Im "Tal des Todes", so benannt nach der Versenkung von 4 dt. Zerstörern (Georg Thiele,Wolfgang Zenker, Bernd v.Arnim und Hans Lüdemann), die aufgrund von Munitionsmangels, durch die eigene Besatzung auf Grund gesetzt und gesprengt wurden. Georg Thiele liegt mit dem Bug am Land und ist heute als Mahnmal an diesen unsinnigen Krieg geblieben. An diesen Wracks herrscht Tauchverbot.
 Einzige Ausnahme: die DO-26.

Wir springen ins Wasser, gleiten in einer Sandbucht den Hang hinunter (miserable Sicht, nur 4-5m, na das kann ja was werden, dachte ich), doch plötzlich bei 20m haben wir Sichtweiten, die uns schnell (so aus 15m Entfernung) die Überreste der DO-26 ausmachen ließen. Viele Details sind gut zu erkennen und auch scharfe Munition (was in Norwegen nichts Neues ist) ist noch vorhanden. Immerhin war die Versenkung im Mai 1940.
 

Wir müssen weiter, der Zeitplan ruft.
Vom Rombaksbotn müssen wir nun bei den sehr warmen Außentemperaturen 3 Std. Autofahrt  auf uns nehmen. Nun ist Harstad unser Ziel, um Tauchgänge am U-Boot "U-711" und dem Wohnschiff der Besatzung "Black Watch" durchzuführen.
2 Tage mit guten Sichtweiten, optimalen Wetterverhältnissen, sind der Garant dieser Tauchgänge. 
 

Was ist so Besonderes an diesen Tauchgängen? Diese Frage höre ich immer wieder von den interessierten Tauchern. Als erstes sicherlich die Tatsache, dass beide Wracks noch 4 Tage vor der Kapitulation Deutschlands angegriffen und versenkt wurden. Die "Black Watch"  wurde Opfer mehrerer Bombentreffer und liegt heute beschädigt unter Wasser. Doch 100m wollen erstmal abgetaucht werden.

Nun aber der wichtige Tauchgang: ein fast intaktes deutsches U-Boot des 2.Weltkrieges, dass in einer betauchbaren Tiefe (50-55m) liegt und jedes Herz eines Wracktauchers höher schlagen lässt. Ein anspruchsvoller Tauchgang, der nicht für jeden Taucher geeignet ist. Es erwarten dich fast 50m Abstieg am Seil, es wird dunkler, du siehst nichts und dann plötzlich sind die Konturen des Turmes erkennbar.
Es geht los zum Bug, 360 Grad Wende und zum Heck, nun wieder zum Turm und dann der lange Aufstieg mit den Dekostops. An der Oberfläche fangen die Tauchpartner sofort an den Tauchgang auszuwerten und ich höre immer wieder "hast du das gesehen", "konntest du dies erkennen" usw. usw. 

Spätestens jetzt weis ich, dass ich eine "Super-Wracktour" zusammengestellt habe.
 

Zwei
Tage gehen schnell vorbei und die Gruppe wollte weiter bleiben. Leider war es nicht möglich, denn ein Safarischiff war gechartert. Sightseeing und Tauchen ist nun auf der Liste.
2 Tage mit einem Safarischiff unterwegs, d.h. heißt dann auf kleinem Raum wohnen und auf gutes Wetter hoffen. Natürlich war der Wettergott uns wohlgesonnen, so dass die Fahrt zum Raftsund, Tauchen am Hurtigrutendampfer "Nordstjernen" und die Weiterfahrt zum Trollfjord mit einem Tauchgang, zu einem unvergesslichen Erlebnis wurden. Übernachtungen auf dem Schiff, bei Top-Wetter Fahrt durch Raftsund, vor der gigantischen Kulisse der Bergwelt der Lofoten und die Mitternachtssonne beobachten, runden diese Tage ab. 

Letzte Stationen einer 10 tägigen Wrack-Rundreise sind Svolvær (Wrack "Siw-Aina") und die Bucht von Gratangen (Wrack "Dronning Maud"). Die Tauchpause bis zum Rückflug wurde mit dem Besuch des Kriegsmuseums von Narvik genutzt, in dem eindrucksvoll die Geschehnisse der Vergangenheit wiedergegeben wurden.
 

Die Teilnehmer waren sich einig, eine eindrucksvolle Zeit, mit abwechslungsreichen Wracktauchgängen, Tauchen mit Abenteuer, Wetter von der besten Seite und eindrucksvoller Landschaft. Diese Region in Nordnorwegen ist eine Reise wert und zu empfehlen.
 

Liebe Grüsse
Frank


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