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Die Rheinquelle - Der Weg ist das Ziel

Pfffffff - zischhhhhhh - pfffffffffffffff- zisch - pfffffffffffffffff.....

Es hörte sich zwar so an, aber das Geräusch war keine nostalgische Dampfeisenbahn, die sich die Schweizer Berge hochquält, sondern es war das Geräusch meiner pfeifenden Lungen.
Wir, sechs Freunde, waren auf dem Weg zu einem der sicherlich ungewöhnlichsten Tauchgänge überhaupt - in der Quelle des Rheins!

Eigentlich hätte alles gaaaaaaaaaaaaaaanz einfach und recht flach sein sollen. Zumindest hat das unser Freund Jens herausgefunden, als er bei der Planung unserer Tour die Wegstrecke extra in Google Earth "abgeflogen" hat. Ungefähr 4 Kilometer zu laufen, mehr oder weniger eben am Berg entlang und schon sind wir da. Ein Klacks von etwa 1 Stunde. Naja - oder auch nicht :-).

Nach fast 2 Stunden Aufstieg standen wir an einer Wegkreuzung. Jens beharrte darauf, dass es geradeaus weitergeht - schön flach. Aber ein kleiner, gemeiner, gelber Wegweisers zeigte vergnügt nach rechts. Um genau zu sein, nach rechts OBEN! Höre ich da ein Murmeltier, welches uns auslacht?


Doch beginnen wir mit der Geschichte am Anfang der Tour und der lag mehr als 1 Jahr zurück.
Nein, ganz so lange mussten wir dann doch nicht laufen. Wir hatten die Tour bereits ein Jahr vorher machen wollen und dann gab's am Vortag fast 20 cm Neuschnee auf dem Pass. Völlig unmöglich die Wanderung bei den Bedingungen durchzuführen und auch viel zu gefährlich. Also haben wir uns um 1 Jahr "vertagt" und fuhren an einem Freitagmorgen gegen 4 Uhr im Schwabenländle los, unserem ersten Ziel Disentis in der Schweiz entgegen.
Nach gut 4,5 Stunden Fahrt war diese erste Etappe gemeistert und wir trafen bei Lama Ventura ein.
Um unsere Flaschen, das Blei und einen Teil der Tauchausrüstung zu transportieren, hatten wir eine Lamakarawane gebucht. Im Gegensatz zu einem Hubschrauber ist das günstiger und auch um Längen schöner und abenteuerlicher!

Nach der Begrüßung wurde die Ausrüstung auf die Packsättel der Lamas verteilt und alles fest für den nächsten Tag verzurrt. Dann hieß es Abschied nehmen und sich auf den Weg zur zweiten Etappe des Tages machen. Die Lamas sollten wir dann erst am nächsten Morgen am See wieder treffen.
Die Fahrt von Disentis bis kurz unterhalb des Oberalppasses ist kurvenreich. Eine Kehre folgte der nächsten, bis dann, fast schon auf der Paßhöhe, auf der rechten Seite ein kleiner Wanderparkplatz als Ziel unserer Fahrt auftauchte.
Nun hieß es den Rucksack schultern und vorwärts Marsch :-)!

Das Wetter war heiter bis wolkig, muntere Bächlein murmelten am Wegesrand, überall waren bunt blühende Bergblumen zu sehen und die Beine waren noch frisch. Also ging es zügig bergan, bis sich Google Earth als extrem beschönigend herausstellte und es anfing richtig steil zu werden.
Mit der Zeit warf das natürlich Fragen auf: Was mach ich hier? Warum ist mein Rucksack alle 100 Meter ein bißchen schwerer? Warum gibt es keinen Lift? Wer hat sich diesen Schwachsinn eigentlich ausgedacht? .....

Auch der eine oder andere Wanderer, der uns entgegen kam, hatte so manches Fragezeichen im Gesicht und des öfteren wurden wir gefragt ob wir uns verlaufen hätten. Mit den Flossen, die seitlich am Rucksack baumelten :-), paßten wir irgendwie nicht in die malerische Bergwelt.
Doch all die Schinderei war vergessen, als wir durch eine schmale Scharte kamen und sich der Blick auf einen Talkessel öffnete, in dem der See malerisch vor uns lag. In seiner Form einem dunkelblauen glitzernden Herz ähnelnd. Was für ein gigantischer Anblick!!

Pause! Einen schöneren Platz für eine kleine Rast findet man nicht. Als Gipfelschnäpsle wurde ein kleiner Grappa spendiert und schon sah die Welt wieder ganz anders aus. Einfach im Gras sitzen, auf das Blau des Sees und die umgebenden Gipfel schauen - etwas Schöneres kann es kaum geben.
Oder doch? Jens hatte es sich extra besonders schwer gemacht und den Tauchanzug nicht auf ein Lama gepackt, sondern im Rucksack mit nach oben geschleppt. Nun konnten wir ihn nicht mehr halten und ging für einen ersten Erkundungsschnorchelgang ins Wasser. Die Begeisterung war ihm wirklich anzusehen und wir hätten ihm die Freude noch etwas länger gegönnt, aber leider kam  von drei Seiten gleichzeitig ein Gewitter über die Bergkämme auf uns zu.
Also raus aus dem Wasser, tief schnaufend umgezogen und dann ging es die letzten 100 Höhenmeter zur Hütte hinauf.


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Ein Wettlauf mit dem Wetter, den wir aber gerade noch so gewonnen hatten. Mit hängender Zunge hatten wir die Hütte erreicht. Als Belohnung gab's einen erfrischenden Schluck kühlen Quellwassers, den wir am Ziel direkt aus dem Brunnen genießen durften. Zu einer warmen kräftigen Suppe im Freien hat es auch noch  gereicht. Dann ging ein riesiges Gewitter auf uns herab. Für uns kein Problem: wir genossen unseren dampfendem schwarzen Schümlikaffee in der Hütte.
Nach dem Spektakel aus Blitz und Donner, welches die Tagesgäste flux vertrieben hatte, waren wir auf der Hütte fast unter uns. Gerade mal 10 Gäste waren zur Übernachtung hier. Die Wolken lichteten sich und die Sonne kam wieder zum Vorschein. Tausendfach glitzerten Regentropfen auf den Gräsern und Alpenblumen und in der klaren Luft war der Blick hinunter auf den See im warmen Abendlicht einfach überwältigend.
Die Nacht war sternenklar, klirrend kalt und leider auch sehr kurz, wenn man es nicht gewohnt ist, mit 9 anderen Schnarchern in einem Zimmer zu schlafen. Doch nichts ist so schlecht, dass es nicht auch für etwas gut wäre. So war es mir vergönnt, als erster auf zu sein und einen gigantischen Sonnenaufgang zu erleben, den die anderen nun nur vom Foto kennen :-).

Nach dem zünftigen Frühstück ging es mit beschwingtem Schritt hinab zum See. Die Aufregung steigerte sich mit jeder Minute und wir sehnten die Lamas mit unserer Ausrüstung herbei, um endlich in die Quelle des Rheins einzutauchen.
Dann war es soweit. Die ersten Lamas tauchten aus dem Nebel des Tals auf und erklommen die letzten Meter des steilen Pfades. Schnell wurden sie entladen und zum weiden auf die saftigen Wiesen entlang des Sees entlassen.


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Wir haben unsere Tauchausrüstung zusammengebaut und sind dann in zwei Gruppen ins Wasser gegangen. Um ehrlich zu sein, war die Sicht nicht grade berauschend, aber mit ca. 10-15 Metern auch nicht ganz schlecht. Gestört hat das niemand. Das Wissen, in dem See zu tauchen, aus dem der Rhein als größter Fluß Deutschlands entspringt, war schon etwas ganz besonderes und hat die Sicht mehr als wett gemacht.
Beeindruckend waren vor allem die gigantischen Felsblöcke, die überall im See umher lagen und von Felsstürzen der umliegenden Berge zeugen. Besonders schön ist der Bereich des Auslaufs, wo man im flachen Wasser treibend bereits einen herrlichen Blick ins Tal genießen kann.
Leider ging die Zeit viel zu schnell vorbei und so blieb uns nach den Tauchgängen nur noch ein kleines Picknick mit dem romantischen Blick auf den See und die grasenden Lamas.  Der Anblick der Lamas lies auch den einen oder anderen Wanderer verdutzt die Augen reiben. Sicher kein gewöhnlicher Anblick, wenn man den Berg hochsteigt und dann auf einmal vor einer kleinen Herde Lamas und einer Gruppe Taucher steht...


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Beim Abstieg durften wir die Tiere dann selber führen. Leider gab's ne kleine Fehde zwischen unserem Alex und seinem Lama Julio. Julio konnte es irgendwie nicht leiden, dass er am Ende gehen musste. Also begann er ganz lama-like zu spucken. Hauptopfer war Alex, mit seinem nagelneuen Wanderkittel. Nicht nett von Julio und auch gar nicht gut für ihn. Unverbesserlicher Wiederholungstäter, ist er jetzt ein Stück leckere Salami geworden. Zumindest wurde uns das so berichtet. Wir werden ihn trotzdem immer in guter Erinnerung behalten. Hat er uns doch genügend Stoff geliefert, um immer wieder an diesen widerspenstigen Abstieg vom Tomasee zurück zu denken und herzlich zu lachen :-).

Der Tomasee war eine Tauchreise der ganz besonderen Art und ein richtiges kleines Abenteuer. Sehr anstrengend, aber auch wunderschön. Eben der Stoff aus dem schöne Tauchgeschichten gemacht sind, an die man sich noch lange und sehr gerne erinnert.

Liebe Grüsse

Robert


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