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Der Moment

St.John's Tour Oktober 2011 

Langsam senkte sich die Sonne auf das Ägyptische Küstengebirge hinter dem Hafen Ras Ghalib.
 

Nun war er da - mein ganz persönlicher Moment.

Ruhe kehrte ein. Auf dem Schiff, im Hafen und auch ganz tief in mir drin.
 
Eine Woche kein Handy, keine Mails, keine Faxe, keine Fragen, kurz - kein Bürostress!
 Muss man dafür bis nach Ägypten fliegen? Nun, um ehrlich zu sein -  eigentlich nicht. Aber man kann!! 
Wer es tut, taucht ein in eine andere Welt, die trotz aller Globalisierung noch den unvergleichlichen Charme des Orients hat. Die Uhren scheinen anders zu laufen. Alles scheint leicht, unbeschwert und einfach zu sein. 
Die Luft ist warm, es weht ein leichter Wind über das Sonnendeck der Seawolf Felo. Alles ist in ein warmes Abendlicht getaucht und in die Nase steigt der wundervolle Duft von frisch gebrühtem Kaffee. Mein Moment!
Ich war angekommen im Urlaub.
 

Eine Woche sollte die Felo unser Zuhause sein und uns zu den Riffen ganz im Süden Ägyptens bringen. Die Welt reduzierte sich auf knapp 40m Holzplanken, auf 3 Decks und den Himmel darüber. Unsere einzige Beschäftigung bestand darin zu tauchen, uns auf´s tauchen vorzubereiten, uns kulinarisch verwöhnen zu lassen und beim Schlafen vom Tauchen zu träumen. Schon nach kurzer Zeit hatten sich alle Gäste an diesen Rhythmus gewöhnt. Wir waren auf See und wurden zur Seemannschaft. Aus Fremden wurden Freunde und so lag eine harmonische Woche mit wundervollen Taucherlebnissen vor uns. 

Wie auf Safaribooten üblich, versammelte uns die Glocke zu den Briefings vor dem
Tauchgang und aufgeregt lauschten wir den Worten von unserem Tauchgott Erich, der uns kurzweilig auf die einzelnen Tauchplätze einstimmte und für jeden Wunsch ein offenes Ohr hatte. 

Aufgeregt schwatzend wurde in froher Erwartung auf die gleich folgenden Erlebnisse die Ausrüstung fertig gemacht und "aufgerödelt". Anders als zuhause waren die Wege zum Wasser herrlich kurz und so folgte schon nach kurzer Zeit der lang ersehnte Sprung ins so gar nicht kühle Nass.
Für mich ist es jedes Mal auf's Neue ein unglaubliches Erlebnis im Roten Meer zu tauchen. Beginnt hier der Tiefenrausch schon an der Wasseroberfläche, oder warum ist alles so unwirklich bunt um einen herum? Überall um uns herum wuselte es vor Leben in allen nur erdenklichen Formen und Farben.
Jeder Tauchgang hielt Überraschungen für uns bereit. Jeder Tauchplatz bot andere Bedingungen auf, als stünden die Plätze und ihre Bewohner im Wettstreit miteinander, wer uns Taucher denn nun am meisten begeistern könnte.
Alle zeigten sich von ihrer besten Seite, aber der eindeutige Sieger stand trotzdem schnell fest.
Malahi St. John's hatte es wirklich allen an Bord am meisten angetan. Am treffendsten formulierte es unser Freund Detlef, der seine erste Safari überhaupt genießen durfte. Nach dem zweiten Tauchgang, wir waren auf der Rückfahrt von St. John´s nochmals hier vor Anker gegangen, war seine Meinung: "Alles was jetzt kommt, kann nur noch sch*** sein!" 

Nun, ganz Recht sollte er damit nicht behalten, aber fast.
Wie kann man dieses pittoreske Riff mit all seinen Höhlen, Canyons, Lichtspielen und der wunderschönen Lagune noch toppen?
Richtig! Mit Tauchers Lieblingen.

Also haben wir uns noch Delfine gewünscht und bekamen sie an Habili Radier auch prompt "geliefert"! Wie er es anstellt jeden unserer Wünsche zu erfüllen, wird wohl immer das Geheimnis von Erich bleiben, aber jedenfalls ist auf ihn Verlass!!!
 

Kaum schallte der Ruf "DELFINE" über die Decks, war ich auch schon fast im Wasser. ABC-Zeugs, Badehose, Kamera - fertig. Warten auf's Zodiak? Von wegen! Der frühe Taucher schwimmt mit dem Delfin, oder so ähnlich.  Die Entscheidung, gleich vom Tauchdeck aus zu gehen war goldrichtig. Die Delfinfamilie kam mir freundlicher Weise etwas entgegen, was trotzdem nicht verhinderte, dass ich völlig außer Puste war, als ich bei ihnen ankam.
Irgendwie schienen sie mich ein bisschen auszulachen und dem Nachwuchs in ihrer Mitte zuzuflüstern:

"Schau mal - da ist einer von denen, die immer so langsam und ungelenk sind und die Luft können sie auch nicht richtig anhalten".

Mir war's egal und den Delfinen offensichtlich auch. Sie hatten irgendwie überhaupt keine Eile und beäugten mich weiter neugierig. Tief Luft holendend tauchte ich zu ihnen ab und da war er wieder - mein Moment.
Ich vergaß alles um mich herum. Tauchte einfach mit diesen wundervollen Tieren mit und fühlte mich leicht und unbeschwert. Unendlich hätte ich mich ihnen anschließen wollen, wenn, ja wenn da nicht irgendwann der unwiderstehliche Drang nach Luft gewesen wären. Leider hieß es Abschied nehmen. Langsam lies ich mich nach oben treiben. Der Oberfläche und der Sonne entgegen, deren Strahlen wie Finger über den Grund tanzten und immer noch auf die Delfine zu zeigen schienen.
 

Da man aufhören soll wenn es am schönsten ist, fuhren wir anschließend wieder Richtung Norden, wo wir noch das berühmte Elphinstone Riff betauchten, um kurz darauf wieder in Ras Ghalib einzulaufen.
Zu schnell war die Woche vergangen und es machte sich etwas Wehmut breit, der jedoch schnell der Vorfreude auf die nächste Safari wich. Noch an Bord wurden als nächstes Ziel die Brother Islands auserkoren und so hatte jeder schon auf dem Heimflug die Möglichkeit mit einem Lächeln in den Mundwinkeln von einer Fortsetzung dieser herrlichen Reise zu träumen. 

Liebe Grüsse

Robert


Die Unterwasserwelt

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Das Schiff

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