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Best of Yucatan

Bereits im März 2008, auf einer gemeinsamen Tauchsafari auf den Malediven, bei der Kurt Amsler seine spektakulären Bilder von einer wissenschaftlichen Expedition in bisher unbetauchte Cenoten in Yucatan zeigte, haben wir die Idee geboren, einen speziellen Höhlentauch-Fotokurs zu machen.

Im Dezember 2010 war es dann endlich soweit. Obwohl wir dies nicht explizit geplant hatten, trafen sich einige Teilnehmer der Tour bereits nach dem Einchecken (der ja für Unterwasserfotografen immer besonders spannend ist) auf dem Flughafen in Frankfurt, und so wurden Wartezeit und Flug unerwartet kurzweilig. Vor Ort stellten wir fest, dass wir - anders als sonst - bei weitem nicht die grössten und schwersten Gepäckstücke dabei hatten. Dieses Privileg kam den "echten" Sportskanonen zu, denn in einer Woche sollte der Iron Man auf Cozumel starten…

Nach einem gut einstündigen Bustransfer wurden wir im Hotel in Playa del Carmen von Kurt in Empfang genommen. Das Hotel ist eine grüne Oase mitten in der Stadt und richtig schön ruhig. Die Tauchbasis Yucatek Divers ist direkt angeschlossen und durch den Garten zu erreichen. Das Team rund um Jean-Yves ist absolut professionell und liebt seinen Job kompromisslos. 

Am nächsten Morgen sind wir bereits recht früh wach. Liegt es an dem ungewohnten Vogelgezwitscher, oder doch an der Vorfreude? Naja, vielleicht auch an der Kombination aus beidem, denn heute soll es zum ersten Mal in die Cenoten gehen! Irgendwie kommt mir die Vorstellung immer noch unwirklich vor, denn bisher war ich eher irgendwo tauchen, wo es keine Decke über dem Kopf,  meistens bunte Korallen und jede Menge Fische gab. Und nun soll es ins Dunkle, Unbewohnte gehen? Tja, und auf das stimmten uns die Guides dann bei einem ausführlichen Briefing nach dem Zusammenstellen der Ausrüstung erst einmal ein. Zum Angewöhnen sollten heute die Kameras jedoch erst mal daheim bleiben. Nach ca. 45 Minuten Fahrt im Minibus biegen wir von der Schnellstrasse ab und rumpeln über eine Gravel Road. Nach einem geschätzten Kilometer  halten wir kurz vor einem Absperrgitter, das akribisch von einer Gruppe Mayas bewacht wird, die mit der Cenote ihr Auskommen finanzieren. Kurz danach die erste Inspizierung des Höhleneinganges, noch ohne Tauchgeräte. Wow, wie das glasklare Wasser glitzert und mit dem Dunkel des Höhleneingangs kontrastiert! Danach ist anrödeln angesagt. Mann, ist das warm! Bei gefühlten 35°C im Schatten kommen wir beim Heruntertragen des Equipments ganz schön ins Schwitzen. Da ist es echt eine Wohltat ins 24°C angenehm temperierte Wasser zu steigen!

Nach einem kurzem, aber doch sehr intensiven Check der Ausrüstung durch unsere Guides geht es endlich los. Wir werden zu dritt Philippe zugeteilt, einem Franzosen, der extrem souverän wirkt. Wenn schon in den Hades, dann mit ihm! Der letzte Luftzug über Wasser, Maske auf, Regler in den Mund und Luft aus dem Jacket!  Wahnsinn, wie klar hier das Wasser ist! Aber hier fällt ja auch noch Tageslicht ein und ein paar Fische wuseln herum. Aber dahinten, da wird es richtig dunkel! Und genau da schwimmen wir jetzt hin. Also Lampen anschalten und langsam absinken. Philippe fragt bei jedem das OK ab und dann geht's in die Dunkelheit. Total irre! Nur eine Biegung und es ist stockfinster. Als hätte jemand das Licht abgeschaltet, dabei ist es mitten am Tag. Verrückt, und doch total faszinierend! Und so schweben wir rund 50 Minuten durch eine irgendwie unwirkliche Welt. Überall Tropfsteine, die davon zeugen dass diese Höhlen früher im Trockenen lagen. Im Schein der Lampen strahlen die Wände und "Eiszapfen" in Alabasterfarben. Die Sichtweiten sind beeindruckend - sofern man die Regeln beherzigt und sich nicht zu vehement bewegt. Hier ist definitiv der Frog-Kick angesagt! Völlig fasziniert klettern wir nach der ersten Bekanntschaft aus dem Wasser und wärmen uns in der Sonne auf - denn es wird nach einer Weile wirklich frisch da unten! Dennoch können wir es kaum erwarten, ein zweites Mal abzutauchen. Diesmal geht es in eine andere Richtung und hier kommen wir zu einer großen Caverne, in der Unmengen an Fledermäusen an der Decke rumhängen. Ein total cooles Gefühl, nach einiger Zeit des Tauchens durch absolute Finsternis in einem zwielichtigem Dom aufzutauchen, in dem die Flattermänner rumdüsen...

Am nächsten Morgen geht's dann endlich mit dem Foto-Equipment zur Sache! Heute geht es zum Cenoten-Komplex Dos Ojos (also den zwei Augen). Nach dem eigentlichen Tauchbriefing gab es noch ein ausführliches Fotobriefing durch Kurt. Wie sich herausstellen sollte, sehen ist die eine Sache, aber das "Unwirkliche" auch für den Nichtbeteiligten nachvollziehbar auf Zelluloid, äh, Chip zu bannen, ist etwas komplett anderes! Gar kein leichtes Unterfangen, denn die Sicht ist zwar spektakulär, aber nur bis jemand irgendwo aneckt oder mit den Flossen etwas unbedacht kickt - dann ist sofort "Zappen duster"! Umgeben von Trillionen Schwebeteilchen hat man dann das Gefühl einen Schneesturm in Alaska zu fotografieren. Absolut faszinierend ist auch das Gefühl wieder zurück zum Ausgang zu tauchen. Zunächst ist alles finster und dann wird es langsam aber sicher immer heller. Dort wo die Sonne ins Wasser scheint, leuchtet es intensiv blau und wo die Sonnenstrahlen direkt ins Wasser fallen, zeichnen sie einen regelrechten Strahlenvorhang - Dinge, die man nirgendwo anders sieht! Ein wahnsinniges Erlebnis, das selbst erfahrene Taucher und Fotografen faszinierend finden..

Die nächsten Tage führen uns in immer neue Höhlen, die zum Teil wie überflutete Kathedralen wirken. Völlig surreal! Immer wieder probieren wir neue Fototechniken aus, beispielsweise die "Flasher-Technik", bei der ein Taucher mit einem Sklavenblitz hinter dem Hauptmotiv positioniert wird, um es von hinten in Szene zu setzen. Sehr zur Erheiterung der anderen Tauchen gehen wir diese Techniken vor dem eigentlichen Tauchgang vorher in Trockenübung durch.

Und so vergeht eine ganze Woche wie im Flug. Am letzten Festlandstag haben wir tauchfrei und einige von uns entschliessen sich, nach Tulum, einer ehemaligen Maya-Siedlung, zu fahren. Absolut sehenswert und definitiv den gut einstündigen Bustrip wert. Für alle, denen nach ein paar Stunden Ruinen ansehen der Sinn nach Abkühlung steht: Direkt vor der Ruinenstadt ist ein toller Strand, der mit schönem Sand und Wellen geradezu nach einem ruft! Übrigens liegt gar nicht weit von der Touri-Hochburg ein netter Strandabschnitt, an dem man in völliger Abgeschiedenheit sitzen und bei einem Bierchen und leckeren Snacks entspannen kann. 

Am nächsten Morgen machen wir zu viert einen Rundflug mit einer Chessna. Nach einem kurzen Sicherheitscheck geht's auch schon los. Erst einmal ostwärts über's Meer in Richtung Cozumel. So können wir uns aus der Luft ein erstes Bild von der Insel und ihren Steilwandriffen machen. Nach einer Ehrenrunde über die Maya-Tempel in Tulum geht es zurück nach Playa.

Anschließend verabschieden wir uns von Jean-Yves und seinem Team und ab geht's auf die Schnellfähre nach Cozumel. Die Wellen sind nicht von schlechten Eltern und so schwankt der Kutter ganz ordentlich, aber das bringt ja keinen Taucher aus der Fassung...eigentlich.


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Am Abend treffen wir uns zum ersten Cozumel-Briefing und besprechen die Vorhaben der nächsten Tage. Denn jetzt müssen wir wieder auf "normal" umschalten und das Umgebungslicht einkalkulieren, das wir in der Finsternis der Höhlen quasi vergessen konnten.

Am nächsten Morgen Einchecken in der Basis und Entern des Bootes, das uns gen Steilwand im Südwesten bringen sollte. Kurt hatte uns von den tollen Farben, insbesondere den Schwämmen und Fischen, vorgeschwärmt und so montiert jeder von uns Superweitwinkel oder Fisheye-Objektiv. Nach der relativen Dunkelheit der Cenoten war das Tauchen an den tropischen Riffen eine schöne Abwechslung.

Und am nächsten Morgen dann die Ernüchterung. Die Sonne brennt zwar vom Himmel, aber dafür weht eine steife Brise, so dass der Hafenmeister kurzerhand den Hafen sperrt. Tja, und so geht gar nichts. Zwangspause. Und das für zwei Tage. Wir überlegen schon, wieder zurück aufs Festland zu fahren, aber dann organisiert Kurt doch noch einen Höhlentaucher, der uns mit in eine Cenote auf der Insel nimmt! Also packen wir unser gesamtes Equipment auf einen Pick-Up.. Nach ein paar Minuten Fahrt halten wir dann am Rand des Highways an. Auf beiden Seiten der Strasse steht undurchdringlich wirkender Jungle, aber wir ziehen uns hier um. Offenbar ist das ein etwas merkwürdiger Anblick, denn einige Autos fahren betont langsam an uns vorbei und die Insassen drücken sich ungläubig die Nase an der Scheibe platt. Mit voller Ausrüstung laufen wir dann quer durch den Busch. Bei über 30°C eine wirklich schweisstreibende Aktion. Nach einigen hundert Metern stehen wir dann eher ungläubig vor einer etwas größeren Pfütze und hören den Guide: "Hier gehen wir Tauchen!" Na dann.

An einer permanent gespannten Leine tauchen wir direkt in die Pfütze. Obwohl es von oben nicht so aussieht, geht es natürlich unter der Oberfläche ins Höhlensystem.  Die ersten Meter ist überhaupt nichts zu erkennen - Sicht gleich Null! Ohne Leine ginge hier gar nichts. Aber dann wird es schlagartig klarer, wenn auch das Wasser wesentlich mulchiger wirkt als in den Cenoten auf dem Festland. Dennoch ist es eine irre Erfahrung, denn hier ist die Trennschicht zwischen Süss- und Salzwasser viel dicker und liegt die ganze Zeit genau auf der Höhe unseres Tauchgangs. Ein völlig anderes Gefühl! Die ganze Aktion erinnert mehr an einen Exploration-Tauchgang. Allerdings werden unsere Fotos bei den Verhältnissen vergleichsweise bescheiden. Aber das stört angesichts der Erfahrungen keinen.

Am nächsten Tag lässt der starke Wind etwas nach, der Hafenmeister hat ein Einsehen und wir überreden die Tauchbasis mit uns rauszufahren. Allerdings sind die Wellen immer noch nicht von schlechten Eltern und so entscheiden sich einige, doch nicht mit raus zu fahren. Schade, denn die Sicht draussen am Riff ist super. Überall sind schöne Korallenformationen und Schwämme zu sehen und wir fotografieren was das Zeug hält. Ein paar Kaiserfische begleiten uns die ganze Zeit und modeln für uns.

Und schon ist der letzte Abend angebrochen. An der Hotelbar lassen wir den Trip noch einmal Revue passieren. Mit einer kleinen Diashow bringen wir auch den nichttauchenden Gästen die für sie völlig unbekannte Unterwasserwelt nahe. Am interessantesten sind natürlich unsere wie Mondlandschaften anmutenden Bilder aus den Cenoten. Voller toller Eindrücke lassen wir die Tour bis spät in die Nacht ausklingen und schmieden dabei Pläne für die nächsten Trips. Denn: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub...

Unser Fazit: Ein rundum gelungener Trip, der uns allen lang in Erinnerung bleiben wird. Cenoten und Yucatan sind eine abwechslungsreiche Kombination, die wirklich zu empfehlen ist. Für erfahrene Taucher und Unterwasserfotografen ist das Höhlentauchen eine spannende und eindrucksvolle Herausforderung.


Liebe Grüsse
Mathias

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