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Blue-Ringed Octopus

Blauring-Krake | BLUE-RINGED OCTOPUS | Hapalochlaena sp.

Bisher sind der Wissenschaft mindestens zehn verschiedene Blauring-Kraken bekannt, jedoch ist noch ungeklärt ob es sich um verschiedene Arten handelt, oder ob die einen lediglich eine Variante der anderen ist. Zwei der bestätigten und häufigsten Arten sind Hapalochlaena lunulata (meistens wird diese Art bei der Identifizierung genannt) und H. maculosa. Die Arten können durch Vermessung der Grösse und der Anzahl der blauen Ringe voneinander unterschieden werden. Ein weiterer Hinweis liefert die Körperlänge.  H. maculosa ist die grössere Art und hat eine Körperlänge von max. 5cm und eine Tentakellänge von ca. 10 cm, während die Köperlänge von H. lunulata meist unter 5 cm misst und eine Tentakellänge von maximal 7 cm hat. H. maculosa besitzt 10 braune Flecken pro Tentakel, die mit blauen Ringen umrandet sind, und im Gesamten satte 50-60 Ringe auf seinem Mantel, während  H. lunulata meist weniger als 25 Ringe auf dem Mantel hat. Diese sind dafür gerne mal 8mm im Durchmesser, also grösser als bei H. maculosa.

Blauring-Kraken leben hauptsächlich auf sandigem und Schottergrund in gemässigtem Wasser des Indo-Pazifiks in der Nähe der Tidenzone in Tiefen von bis zu 50 Metern. Wie alle Cephalopoden haben sie eine Lebenserwartung von ca. 2 Jahren, allerdings sterben die Männchen bereits nach dem Paarungsritual. Sie verstecken sich gerne mal in Muscheln, Flaschen oder Büchsen. Sie sind karnivor und ernähren sich hauptsächlich von kleinen Krabben, Einsiedlerkrebsen, Garnelen und Muscheln. Wie alle Kopffüsser besitzen sie einen papageiartigen Schnabel, mit dem sie nur bei Beutefang oder als Verteidigung gegen Angreifer beissen. Der Biss ist giftig (siehe mehr dazu unter "Gift"), was durch das Fehlen eines Tintensacks - also einer anderen Möglichkeit zur Abschreckung von Fressfeinden - bedingt sein kann. Genaues über die Evolution des Giftes vs. des Tintensacks weiss man aber nicht. H. lunulata  wird nachgesagt, genug Gift in sich zu haben, um 26 erwachsene Menschen innert Minuten zu töten. Blauring-Kraken sind eher selten, weshalb eine Sichtung immer ein schönes Geschenk ist.

Verhalten
Blauring-Kraken sind Einzelgänger und Jäger, die im ungestörten Fall eine sehr unauffällige und dem Hintergrund angepasste Färbung im sandigen Graubereich haben. Stört man das Tier - zum Beispiel mit der Unart von einigen Dive Guides eine Faust über das Tier zu halten und dann schlagartig die Hand zu öffnen, also eine Attacke durch einen anderen Oktopus zu imitieren - zeigt das Tier seine blauen Ringe als Warnung und zur Abschreckung. Diese Reaktion zeigt sich auch, wenn man dem Tier in gleichbleibender Distanz hartnäckig folgt. Dann verliert es die Geduld und testet die Wirkung seiner Warnringe. Also kein Grund, dem Tier unnötig für die blauen Ringe Angst zu machen. Der Krake kann bei seinen blauen Ringen übrigens nicht nur die Farbintensität und die Dicke verändern, sondern diese auch richtig zu einem kleinen Farbspektakel pulsieren lassen.

Wie funktioniert das mit den Ringen?
2012 wurde ein Bericht von amerikanischen Biologen im "Journal of Experimental Biology" veröffentlicht, der erklärt, wie der Blauring-Krake seine leuchtenden blauen Ringe zeigen kann, also wie das biologisch funktioniert. Andere Kraken verfügen in ihrer Haut über Chromatophoren (kleine mit Farbstoff gefüllte Säckchen), die ruckartig mithilfe der Muskeln gedehnt werden können. Der Blauring-Krake hat aber eigene "Special Effects" entwickelt, die uns Menschen meistens keine Freude bereiten: Falten! Einfach ausgedrückt entstehen die Ringe durch Lichtreflexion in den dicht gepackten Gewebeschichten des Kraken. Eine Gruppe der Haut behaust die lichtreflektierenden Zellen, die im Ruhezustand von einer ringförmigen Hautfalte bedeckt werden. Will der Krake seine Ringe zeigen, entspannt er ruckartig die einen Muskeln, spannt wieder andere an und die Falte weicht dem leuchtenden Ring, nur noch akzentuiert durch einige dunkle Hautpartien im Zentrum der Ringe und drum herum. Und das Ganze innerhalb einer Drittelsekunde. Gemäss Aussagen der Forscher kennt man kein anderes vergleichbares System in der Natur.

Gift
Eines haben die Arten der Gattung Blauring-Kraken in jedem Fall gemeinsam: Das hochwirksame und tödliche Gift Tetrodotoxin. Dieses kann im Falle eines Bisses (die Tentakel sind nicht giftig, nur der Schnabel) einen ausgewachsenen Menschen töten und gilt durch die Heftigkeit des Toxins als eines der tödlichsten Gifte im marinen Tierreich. Das gleiche Gift findet sich auch in anderen Unterwasser-Tierarten, sogar ausserhalb der Oktopus-Familie, wie zum Beispiel beim Kugelfisch. Bisher wurde noch kein Gegengift entwickelt. Das Gift wird in den Speicheldrüsen durch bestimmte Bakterien produziert.

Blauringkraken sind eigentlich sehr friedliche, nicht aggressive Tiere. Die meisten Vergiftungen sind auf Menschen zurückzuführen, die mit dem Tierchen "gespielt" haben.

Der Biss ist in der Regel nicht schmerzhaft. Trotzdem sollte man sofort für Hilfe signalisieren und an Land gehen. Nach und nach treten mehr Symptome auf, welche folgende sein können: Rötung an der Bissstelle, Schwäche, prickeln im Gesicht / in den Gliedmassen / im Genick, Übelkeit, Erbrechen, Bewegungsunfähigkeit (Paralyse), Lähmungserscheinungen mit Schluck- und Sprechstörungen, scheinbare Apathie (Taucher wirkt nicht ansprechbar, ist aber bei vollem Bewusstsein, kann aber weder akustisch noch mimisch kommunizieren) und schliesslich Atemlähmung.

Als erste Hilfe ist vor allem Mund-zu-Mund-Beatmung wichtig, bis der Patient in ärztliche Behandlung kommt. Generell ist rasche erste Hilfe und speziell die Sicherstellung einer kontinuierlichen Atmung für einen guten Ausgang match-entscheidend. Die Lähmungserscheinungen dehnen sich stets rasch auf das Atemzentrum aus. Sollte der Patient noch im Wasser sein, sollte er sofort an Land geholt werden. Eine weitere sehr dringende Massnahme ist, einen Kompressionsverband aufzutragen. Auf keinen Fall Alkohol auf die Wunde auftragen! Das Herz ist wohl das am wenigsten besorgniserregende Organ in der ganzen Vergiftungskette, da das Gift keinen Einfluss auf die Herzfunktionen hat. Allerdings muss der Puls stets überwacht werden, denn ein starker Blutdruckabfall kann zu einem Kreislaufversagen führen.

© Angela Lötscher | Klick auf das Photo um es zu vergrössern!