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Das Unterwasser Archäologie Museum in Bodrum - Türkei

Eine Reportage von Rico Besserdich


Vorwort:

"Wohl manches Fahrzeug, vom Strudel erfaßt,
Schoß jäh in die Tiefe hinab,
Doch zerschmettert nur rangen sich Kiel und Mast
Hervor aus dem alles verschlingendem Grab".
( Friedrich Schiller : "Der Taucher" )

Von Schillers "Taucher" ( 1797 ) bis hin zu "Captain Jack Sparrow" ( 2010 ) 
inspiriert die Faszination versunkener Schätze auf dem Meeresgrund Taucher und Nichttaucher gleichermaßen. Als wissenschaftlicher Zweig und absoluter "Youngster" in der Welt der Archäologie ist hier die Unterwasserarchäologie zu nennen, die Ihre Hochburg in der Türkei hat.
Rico Besserdich hat das einzige UW Archäologie Museum der Welt in Bodrum- Türkei besucht.

Der Ort Bodrum:
Bodrum ( in der Antike Halikarnassos genannt ) befindet sich an der Küste des ägäischen Mittelmeeres in der Türkei. Von Homer als "Himmel des unendlichen blauen Landes" beschrieben, sind erste Ansiedelungen auf ca. 5000 vor Christus datiert. Als Halikarnassos war es die Verwaltungshauptstadt des Königreiches Karia ( ca. 800 bis 133 vor Christus ). Der karnisch/persische Koenig Maussolos II errichtete sich dort 377 vor Christus ein gewaltiges Grabmal, welches den weltweit bekannten Begriff Mausoleum prägte und zu den 7 Weltwundern der Antike gehörte.
Ferner war Halikarnassos Heimatort des Geschichtswissenschaftlers Herodot, der als "Vater der Geschichtsschreibung" ( laut Cicero ) bezeichnet wird. In einer Zeitspanne von über 3000 Jahren beherrscht und gepraegt von Kariern, Lydiern, Makedoniern, dem römischen Reich, dem byzanthinischen Reich, den Seldschuken, den Kreuzrittern und den Ottomanen verströmt dieser Ort Geschichte mit jeder einzelnen Pore.

Das "neuere" Bodrum beherbergte den türkischen Dichter und Maler Cerat Sakir ( 1890-1973, oft auch "Fischer von Halikarnassos" genannt ), der hier die ( immer noch sehr beliebten ) "Blauen Reisen" erfunden und auch die neuzeitliche Architektur der Region massgeblich geprägt hat.

Heute ist Bodrum ein sehr beliebter Ferienort mit 60.000 Einwohnern und ca. 700.000 Besuchern pro Jahr. Symbol der Stadt ist das Kastell von Skt. Peter , eine alte Kreuzritterfestung, die nun das Unterwasser Archälogie Museum beherbergt.

Die Festung:
Die Festung wurde im Jahre 1408 von dem Kreuzritter Orden "Knights of Skt. John" ( dem Johanniter Orden zugehörig ) gebaut, um zu Zeiten der sog. "Kreuzfahrerstaaten" angesichtig der wachsenden Bedrohung durch die Muslime Handel, Wirtschaft als auch Verkehrswege zu sichern und die Machtposition der Kreuzritter zu erhalten. Die legendäre römische "Via Maris" ( lateinisch : "der Weg des Meeres" ), eine der wichtigsten antiken Handels- und Transportrouten auf dem Seewege, führte auch am heutigen Bodrum vorbei.

Leitender Architekt beim Bau der Festung war der Deutsche Henrik Schlegelholdt, vermutlich ebenfalls dem Johanniter Orden zugehörig. Als Baumaterial wurde ein Großteil des Mausoleums sowie der Stadtmauer verwendet. Die Kreuzfahrer Allianz ( bestehend aus England, Deutschland, Frankreich und Italien ) kontrollierte Gebiet und Festung für ca 100 Jahre. Einige der englischen Kreuzritter, deren Wappen in der Burg zu sehen sind, werden namentlich in Shakepeare's "Henry IV" genannt. 1571 fiel Halikarnassos samt Kastell dann unter ottomanische Herrschaft. Die Festung verlor daraufhin an Bedeutung und wurde vorwiegend als Verbannungsort und als Gefängnis genutzt. 

Der Anfang:
Erste Aktivitäten in Richtung Unterwasser Ärchäologie fanden in Bodrum im Jahre 1953 statt. Türkische Schwammfischer hatten mit einem "Schwammpflug" ( Gerät zum Abweiden von Schwammkolonien, welches mittels Leine und von einem Boot aus über den Meeresgrund gezogen wird ) eine ca. 2500 Jahre alte Skulptur der Gottheit "Demetos" per Zufall geborgen und diese mangels besseren Wissens und Verwendung dann achtlos am Strand zurückgelassen. Eher durch Glück wurden amerikanische Archäologen auf den Fund aufmerksam, welches zu einer umfangreichen Radio-Berichterstattung auf BBC führte.

Pionierarbeit leisteten hier Prof. Dr. George F. Bass, Peter Thockmorton, Mustafa Kapkin und Homer Frost. George F. Bass gilt zu Recht als Vater der Unterwasser-Archäologie und verhalf dem weltweit respektierten "Institute of Nautical Archeology" ( INA ) zu seinem späteren Ruhm und Bedeutung. Das Museum in Bodrum wurde offiziell 1961 eröffnet, war jedoch in seinen Anfangszeiten eher Ziel für jene, die nach Spuren der alten Kreuzritter suchten.

Erste ausgestellte Unterwasser Artifakte waren hauptsächlich Amphoren aus verschiedensten Epochen, von denen die meisten von türkischen Schwammtauchern geborgen wurden.

Unter Mitwirkung des damaligen Museumsdirektors wurden in kürzester Zeit allein in der unmittelbaren Umgebung 12 antike Schiffswracks lokalisiert, wobei Prof. Dr. George F. Bass und sein Team von INA oft leitende Funktion innehatte, sowie Geldmittel und erforderliche Ausrüstungen bereitstellte. In der jungen Republik Türkei, die über mehr archäologische Fundstätten verfügt, als Gesamt-Europa und Ägypten zusammen, war eine derartige Unterstützung mit Geld, Wissen und Technik mehr als willkommen. Dieses vermutlich auch deshalb, da von Anfang an klar war, daß die Fundstücke als Eigentum der Türkei betrachtet werden und auch in diesem Lande verbleiben sollen.

Es ist dem zweiten Direktor des Museums, Herrn Oguz Alpozen ( ein ehemaliger "Schüler" von George F. Bass ) zu verdanken, daß das Museum mehr und mehr Anerkennung und Beachtung erlangte, insbesondere im Fachbereich Unterwasser-Archäologie, die von anderen wissenschaftlichen Sparten oft eher noch als "Baby" belächelt wurde.

Aber aufgrund der immensen Anzahl an wertvollen Funden sowie des nicht endenen Enthusiasmus und Einsatzes der Verantwortlichen, gab das türkische Kulturministerium in 1971 dem Antrag statt, das Museum in Bodrum nunmehr "Unterwasser Archäologie Museum Bodrum" zu nennen. Es war damit das erste seiner Zeit und ist immer noch das Einzige auf der Welt.

In Zeiten, wo viele andere Museen auf der Welt noch recht "trockene" Einrichtungen waren, hat das UW Museum Bodrum schon in den Siebzigern kontinuierlich an dem Konzept des "lebendigen Museums" gearbeitet. So sollten Besucher nicht mit Geschichte und Wissen "erschlagen" werden sondern vielmehr aktiv die Arbeit der UW Archäologen verstehen und mitverfolgen können. Durch dieses Wissen wird dann das Betrachten der Ausstellungsstücke in der Tat wesentlich spannender. Geschichte "lebt". Multimediale Präsentation wurde dort bereits praktiziert, lange bevor es den Begriff "Multimedia" überhaupt gab.

Infolge all dieser Bemühungen wurde das UW Archäologie Museum Bodrum in 1995 zum "Europäischen Museum des Jahres" gewählt und erhielt zudem eine besondere Ehrenerwähnung seitens der verantwortlichen Kommission. Es ist mit durchschnittlich 250.000 Besuchern pro Jahr das meistbesuchteste Museum der Türkei.

Internationalen Ruhm und Bedeutung erlangte das Museum durch Fund und Bergung der sog. "Uluburun". Datiert auf ca 1400 vor Christus ist dieses Schiff mit stolzen 3400 Jahren Alter das älteste bekannte und geborgene Schiffswrack der Welt, was in Fachkreisen weltweite Euphorie auslöste und die Unterwasser Archäologie endgültig als ernstzunehmenden wissenschaftlichen Zweig etablierte.

Der jetzige Direktor des Museums, Herr Yasar Yildiz, war aktiv als Taucher an den 10 Jahre dauernden ( von 1984 bis 1994 ) Bergungsarbeiten der "Uluburun" beteiligt. Schiff und Bergung sind durch den türkischen Archäologen Cemal Pulak umfangreich dokumentiert. Cemal Pulak war auch in leitender Position an der Bergung beteiligt.

Zur Zeit hat das Museum 60 Mitarbeiter, davon sind 11 Archäologen. Das Museum verfügt über eigene Labors und Werkstätten zur Konservierung und Restaurierung von Fundstücken. Obwohl das Museum bereits tausende von Artifakten ausstellt, warten noch viele mehr in den Labors und Lagern darauf, in baldiger Zukunft der Öffentlichkeit vorgestellt zu werden.

Die ältesten ausgestellten Fundstücke sind sind stolze 3500 Jahre alt, die jüngsten 1000 Jahre.

Die Frage nach dem "Zauber versunkener Galleonen aus der Zeit von 1400 bis 1750" loest bei Museumsdirektor Yasar Yildiz ein eher amüsiertes Lächeln aus. "Nicht alt genug ! 1000 Jahre sollten es eigentlich schon sein, um unser Interesse zu wecken" sprach er und bestellte noch eine weitere Runde Kaffee während unseres 2,5 stündigen Interviews. "Hobby Archäologen, die mit stolzer Miene eine ca. 400 Jahre alte Schiffskanone bei uns anschleppen, schicken wir gleich wieder weg" hieß es ferner.

Wer sich an einem Ort mit 7000 Jahre Geschichte sowie in einer Kreuzritterfestung, die ja auch schon immerhin ca 600 Jahre alt ist befindet, darf sich da in der Tat ein amüsiertes Lächeln erlauben ;-)

Der Hauch des "richtig alten und antiken" umweht jeden einzelnen Stein des Museums in Bodrum und wenn plötzlich der alte Odysseus selber um die Ecke biegen würde - Es würde einen gar nicht so sonderlich wundern ;-)

Der Betrieb des Unterwasser Archäologie Museums wird durch Eintrittsgelder finanziert ( Eintritt = 10 türkische Lira, ca. 4,50 EUR pro Person ), für wissenschaftliche Arbeit, Restaurierung als auch für laufende Berge-Projekte zeichnet INA ( Institute for Nautical Archeology, USA ) als Hauptsponsor verantwortlich. INA wiederum wird von BBC gefördert.

Die Direktoren werden vom türkischen Kulturministerium ernannt, wobei hier besonders zu erwähnen ist, daß der jetzige Direktor Yasar Yildiz der erste Museumsdirektor ohne akademischen Grad ist. Generell ungewöhnlich, in der Türkei aber geradezu spektakulär. Es wurde hier ein Pionier der UW Archäologie, ein Taucher der alten Schule sowie ein echter Mann der Praxis an die Spitze beordert. Und natürlich ist er mit seinen 60 Lebensjahren immer noch aktiver Taucher, aus dessen Augen das Feuer der Begeisterung blitzt, wenn er von seinen archäologischen Tauchabenteuern berichtet.

Schwammtaucher:
Es ist unmöglich, über die Arbeit des UW Museums in Bodrum sowie über die UW Archäologie zu sprechen, ohne dabei die Schwammtaucher zu erwähnen.

Der Beruf des Schwammtauchers ist einer der ältesten "Profi Taucher" Berufe überhaupt. Schon von Aristoteles und Homer in deren Schriften erwähnt, tauchten Schwammtaucher ohne Flossen, ohne Luftversorgung und in völliger Unkenntnis irgendwelcher Regularien oder gar "Apnoe Brevets" bis zu 70 Meter tief, um dort die damals begehrten Schwämme zu ernten.

Historisch belegte und auch zahlungskräftige Kundschaft waren u.a. die Kreuzritter, die Schwämme benutzten, um unangenehmes Scheuern Ihrer Rüstung auf der Haut zu vermeiden. Kurtisanen in der Antike benutzten Schwämme zu Empfängnisverhütung. In der antiken Stadt Ephesus ( ca. 189 vor Christus ) wurden Schwämme für hygienische Zwecke eingesetzt, vornehmlich auf den Toiletten.

Obgleich -den griechischen Sagen entsprechend- die Geburt des Hermaphrodit ( zweigeschlechtliches Wesen, Kind von Hermes und Aphrodite ) in der Gegend des heutigen Bodrums passierte und die Gewässer mit einem Fluch belegt waren, der den Verlust der Manneskraft androhte, entwickelte sich das frühe Halikarnassos ( später : Bodrum ) zum Zentrum der Schwammtaucherei in der Türkei. Ein entsprechendes Denkmal am Yachthafen ehrt diesen Berufsstand.

Mit Rückgang der Schwammbestände verringerte sich auch die Anzahl der aktiven Schwammtaucher.

Bei über 80% der archäologischen Funde unterwasser waren es die Schwammtaucher, die Wracks und Artifakte zuerst entdeckten.
Nachdem die meisten Schwammtaucher erst antike Amphoren für eigene Zwecke als Gefäße ( Butter, Olivenöl, Mehl ) benutzt und Gegenstände aus Metall ( z.B. Kanonen ) gleich beim nächsten Schrotthändler verhökert hatten, entdeckten einige von Ihnen den wirtschaftlichen Vorteil, entsprechende Funde den "verrückten Archäologen" zu melden.

Offiziell weder vom zuständigen Ministerium noch von der Museumsdirektion bestätigt, wurde trotzdem zwischen den Zeilen angedeutet, daß sich das Museum für derlei wichtige Fundmeldungen seitens der Schwammtaucher "durchaus erkenntlich zeigte".

Zudem werden die Namen der "Finder" bei den ausgestellten Artifakten im Museum ehrenvoll erwähnt. In dem streng hierarchisch orientiertem System der Türkei ist es als besondere Ehrenbezeugung zu verstehen, wenn ein "einfacher" Schwammtaucher namentlich in einem so prestigeträchtigen Ort wie dem Museum namentlich erwähnt wird. Auch dies ist als Symbol für eine moderne Führung sowie als weiterer Beweis für die erfolgreiche Realisierung eines "lebendigen Museum" zu verstehen.

Heute sind nur noch 2 lebende Schwammtaucher in Bodrum bekannt, die sich beide in hohem Alter Ihres verdienten Ruhestandes erfreuen. Ab und zu kommt der Museumsdirektor zum Tee.

Was im Museum zu sehen ist

1) Die Amphorensammlung
Ca. 250 Amphoren aus verschiedensten Epochen ( zwischen 1500 vor Christus und 1000 nach Christus ) in unterschiedlichsten Formen. Haupthersteller von Amphoren waren die Griechen, die Siegel der Hersteller sind auf vielen der Amphoren noch sichtbar. Ergänzt wird dieser Ausstellungsbereich durch sehr schöne gemalte Illustrationen, die die Verwendung von Amphoren in der Antike ( vornehmlich natürlich als Transport- und Lagergefäße ) darstellen. Die Amphorensammlung ist der ehemalige "Grundstein" des Museums.

2) "Schiffswracks der späten Bronzezeit"
Die Funde von 3 verschiedenen Schiffswracks aus der späten Bronze werden hier ausgestellt :

A) Das "Seytanderesi Wrack"
Gefunden in den Gewässern vor Bodrum, datiert auf ca. 1600 vor Christus. Da aber keinerlei Spuren des ursprünglichen Schiffsrumpfes zu finden waren, ist dieser Fund nicht offiziell als Schiffswrack klassifiziert. Gefunden von einem Fischer in 1965, geborgen 1975 von INA unter Leitung von Prof. Dr. George F. Bass. Ausgestellt werden hauptsächlich Krüge, Trichter und Amphoren.

B) Das "Uluburun Wrack"
Datiert auf ca. 1400 vor Christus, eindeutig klassifiziert und somit das älteste Schiffswrack der Welt. Gefunden von einem Schwammtaucher in den Gewässern von Kas ( Bezirk Antalya ), am sog. Kap Uluburun. Geborgen 1984 bis 1994 in türkisch-amerikanischer Kooperation unter der Leitung von Cemal Paluk (Türkei) und George F. Bass ( USA ).
Ausgestellt wird ein 1 zu 1 Nachbau des Schiffrumpfes, sowie ein Nachbau der Original Fundstelle und hunderte Artifakte, so u.a. Handelswaren, Gegenstände des täglichen Gebrauches, Werkzeuge, Glaselemente, Bronze, Waffen, Medallions, ein ägyptischer Skarabeus mit dem Namen der Pharaonin Nerferiti eingraviert sowie hunderter weiterer spannender Fundstücke. In der Vorhalle zeigen Bilder und Videos die Arbeiten während der Bergung, die jedem Taucher das Herz höher schlagen lassen.

C) Das "Gelidonya Wrack"
Datiert auf 1200 vor Christus.
Gefunden von einem Schwammtaucher und geborgen unter Leitung von Peter Throckmorton und George F. Bass in 1960 ist dieses Wrack das weltweit erste jemals geborgene Schiffswrack. Vermutlich ein syrisches Handelsschiff mit vorwiegend Gegenständen aus Bronze, von denen viele ausgestellt sind.

3) Das "Tektas Wrack"
Datiert auf 500 vor Christus.
Handelsschiff aus der Ionischen Zeit. Gefunden und geborgen 1999-2001 in den Gewässern von Teos, nahe Izmir. Die Ausstellung zeigt einen Nachbau des Schiffbugs, Keramiken, Öl-Lampen, Kelche sowie "Glücksbringer" in Formen von Augen.

4) Das "Yassiada Wrack"
Datiert auf 625 vor Christus.
Gefunden von einem Schwammtaucher in 1958, geborgen von George F. Bass in 1961-1964. Eine 1zu1 Nachbildung des Originalschiffes wird in der ehemaligen Kapelle der Kreuritterburg ausgestellt. Die Kapelle wurde später von den Ottomanen zu einer Moschee umfunktioniert und mit einem Gebetsturm versehen. Ein Querschnitt durch das Schiff gibt gute Einblicke in Konstruktion, Ladung und Leben an Bord. Dazu werden Kuper- und Goldmünzen sowie viele Gegenstände des täglichen Gebrauches ausgestellt. Zum Fund gehörte auch eine größere Anzahl byzanthinischer Goldmünzen, die jedoch leider gestohlen wurden.

5) Das "Serce Limani Wrack" ( Auch "Glas Wrack" genannt )
Datiert auf ca. 1025 nach Christus
Gefunden von einem Schwammtaucher und geborgen in 1977-1979 wird dieses Wrack nun in Originalgröße und mit den Originalresten des geborgenen Rumpfes ausgestellt. Seine Ladung bestand hauptsächlich aus Glas - Man geht von 10-20 tausend Artifakten aus. Archäologen vermuten, daß dies ein Handelsschiff des byzanthinischen Reiches war, welches auf dem Weg zwischen Israel und Istanbul sank. Neben Waffen, Dingen des täglichen Gebrauches sowie Fischereiutensilien sind auch Schachspiele ausgestellt.

6) Die Glashalle
In der Glashalle werden sehr anschaulich die schönsten Fundstücke aus Glas ausgestellt. Interessant hier auch das "Aquarium" welches maßstabsgetreu verkleinert eine klassische Bergungsarbeit unterwasser darstellt.

7) Die Juwelen und Münzenhalle
Hier werden insbesondere Goldschmuck, Münzen als auch Juwelen gezeigt, die bei Bergearbeiten an verschiedenen Schiffswracks gefunden wurden. Besonders interessant hier der Totenschmuck als auch die Darstellung antiker Einkommensverhältnisse.

Die Geschichte der Schiffe:
Die große Anzahl der gefundenen Schiffe ( allein 12 in unmittelbarer Umgebung von Bodrum ) hat früher oft Anlaß zu Interpretationen voll von "Abenteuer und gewaltigen Seeschlachten" gegeben. Relativ simple und wissenschaftlich belegte Tatsache ist jedoch, daß die Gewässer rund um Bodrum relativ tückisch sind und viele Untiefen aufweisen. Seekarten mit Tiefenangaben gab es in der Antike nicht, sodaß die Seefahrer damals in der Annahme, dies sei der sicherste Weg, hauptsächlich sehr küstennah segelten. In Unkenntnis der Untiefen fand dann schon im Altertum so manch' "fröhliche Seefahrt" ihr jähes Ende. Und auch in Zeiten von Radar, Sonar und GPS : Das letzte Schiffsunglück aufgrund einer Untiefe in den Gewässern von Bodrum passierte vor ca. 10 Jahren.

Außerdem im Bodrum UW Museum, jedoch nicht der Unterwasser Archäologie zugerechnet, sind ausgestellt :

"Die Prinzessin von Karia"
Grabstätte einer persischen Adligen mit umfangreichen Grabbeigaben und Sarkopharg.

"Der Kerker"
Kerker im Kastell, der gegen 1512 gebaut wurde. Sehr anschauliche Rekonstruktion des damaligen Kerkerlebens inkl lebensgroßen Modellen von Gefangenen und Kerkermeister. Für den geneigten Besucher fängt das Leiden an, wenn beim Rückweg die vielen und sehr steilen Stufen zurück ans Licht erklommen werden müssen ;-)

"Der Schlangenturm"
Aufgrund des Schlangensymbols im Eingangsbereich, geht man davon aus daß dieser Turm von den Kreuzrittern als Krankenstation benutzt wurde. Der Turm beherbergt nun eine weitere Amphoren Ausstellung.

"Das türkische Bad"
Ein türkisches Bad, welches nach Übernahme des Kastells durch die Ottomanen erbaut wurde.

"Der Kommandanten Turm"
Ausgestattet mit dem Original Eigentum des türkischen Kastellkommanden Ibrahim Nezihi, der die Festung in 1915 erfolgreich gegen den Angriff des fanzösischen Kriegsschiff "Duplex" verteidigte, bietet der "Kommandanten Turm" einen guten Einblick in das Leben in einem Kastell kurz nach der Jahrhundertwende. Diese relativ "junge" Ausstellung ist eher als Ehrung dieses hochgeachteten türkischen Kriegshelden zu verstehen.

"Der englische Turm" ( auch "Löwenturm" genannt )
Bekannt als das größte britische Gebäude außerhalb Englands finden sich hier sehr viele Ausstellungsstücke aus der späten Kreuzritterzeit. Mittelalterliche Rüstungen, Waffen, Wappen und Fahnen sowie Original Mobilar geben einen spannenden Eindruck, wie die Kreuzritter einst auf der Burg gelebt haben.



Allein der historische Ort des Museums vermittelt dem geneigten ( und an UW Archäologie interessierten ) Besucher schon beim Betreten eine wahrlich "archäologische Athmosphäre" . Das Kastell allein ist bereits atemberaubend und die darin ausgestellten Artifakte, kombiniert mit einem multimedialen Miterlebens unterwasser-archäologischer Arbeit machen einen Besuch des UW Museums in Bodrum zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Als Taucher mit Interesse an Geschichte verlässt man das Museum mit dem Gedanken "Da währe ich gerne dabei gewesen !"

Nach dem Besuch des Museums empfiehlt sich ein Besuch im naheliegenden Teegarten, wo sich wunderschöne Boote am Hafen betrachten lassen, während die Gedanken anhand des gerade Erlebten vielleicht wieder zurück zu Schiller schweifen :

"Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp',
Zu tauchen in diesen Schlund?
Einen gold'nen Becher werf' ich hinab,
Verschlungen schon hat ihn der schwarze Mund.
Und wer mir den Becher kann wieder zeigen,
Er mag ihn behalten, er sei sein eigen."


Rico Besserdich



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