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Die Schwebegarnele nun auch im Zürichsee

Au/Wädenswil - Bei einem Nachttauchgang am 1. März 2012 bei einem der beliebtesten Tauchplätze am Zürichsee (Halbinsel Au), machte ich mit meinem Tauchbuddy Oswald Oettel eine ungewöhnliche Entdeckung.

Als wir nach einem 30 minütigen Tauchgang auf 30 Meter uns unserem Sicherheitsstopp auf fünf Meter näherten, durchquerten wir plötzlich eine milchige Wolke. Auf den ersten Blick nichts außergewöhnliches, bis sich diese kleinen "Schwebeteilchen" in dieser Wolke bewegten. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich, dass es winzige (ca. 1-2mm) garnelenartige Wesen waren, die sich wie Plankton treiben liessen.

"Seit wann gibt es im Zürichsee Garnelen?" - fragten wir uns. Als sich unsere Entdeckung bei einem Gespräch mit den anderen Tauchern als mögliche Mückenlarven entpuppte, war es wohl noch immer ein einmaliges Erlebnis, aber es war kaum mehr ein Spektakel.

Doch liess mich dieses Thema nicht mehr los. Beim Recherchieren im Internet erkannte ich, dass die Mückenlarven wohl Ähnlichkeiten haben, doch wohl sehr anders waren, als die kleinen Tierchen, die ich gesehen hatte.

Bei einem weiteren Tauchgang am 5. März 2012- diesmal mit meiner Unterwasserkamera bewaffnet, machte ich mich erneut auf die Suche nach diesen merkwürdigen Unterwassertierchen. Dass es ein schwieriges Unterfangen war, war im Vorhinein schon klar, denn diese "Babygarnelen" sind fast durchsichtig, ca. 2mm gross und verstecken sich irgendwo im Schlick und Geröll. Mit geübtem Auge und dem Wissen, nach was ich suchen muss, kam nach fünf Minuten die erste "Babygarnele" vor die Linse. Die Augen leuchteten verräterisch von einem grünen Blatt hervor. Im Gegensatz zum letzten Tauchgang waren diese kleinen Tierchen nicht mehr im Schwarm unterwegs, sondern versteckten sich auf überwachsenen Holzresten und Wandermuscheln.

Nach dem Tauchgang und einigen Recherchen war es klar. Bei diesen kleinen Tierchen handelt es sich um Schwebegarnelen, die sich schon im Bodensee dramatisch vermehrt haben.

Die Schwebegarnele ähnelt zwar stark den üblichen Garnelen, wird aber zur Gattung der Ranzenkrebse gezählt. Sie sind sehr klein und beinahe durchsichtig und können eine Grösse von maximal 2.5 cm erreichen. Der ursprüngliche Lebensraum der Schwebegarnele ist das Meer. Weshalb diese transparenten Kleintiere nun auch in Binnengewässern wie der Boden- oder Zürichsee gekommen sind, ist noch unklar. Doch wird die Schifffahrt als mutmasslicher Verbreiter angenommen. Da sich diese Garnelenart meist in den kalten Wintermonaten explosionsartig vermehrt, können sich die unzähligen Kleintierchen in Abwesenheit der Barsche und anderen Jägern, die sich in diesen Monaten in tiefere Regionen zurückziehen, unbehelligt entwickeln.

Inwiefern diese Schwebegarnelen die heimischen Gewässer beeinträchtigen ist derzeit noch unklar. Doch wird meist bei Verbreitung einer nicht heimischen Art, eine der unseren verdrängt.

Stefan Heer


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