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Kapitel 4: "Bildkomposition"

In den ersten 3 Kapiteln haben wir gelernt, die technische Qualität unserer Fotos zu verbessern in dem wir lernten, die Einstellungen von Verschlusszeit, Blende und ISO selber zu bestimmen. Ebenso haben wir gelernt, die Farben in die Unterwasserbilder zurück zu bringen. Unsere Bilder sehen also schon richtig gut aus. Nur..., der letzte Kick fehlt irgendwie...

In meiner Zeit als Fotokritiker beim grössten Unterwasserfotowettbewerb auf underwaterphotography.com war mein häufigster Ratschlag, mehr Wert auf die Komposition zu legen. Das heisst, sich einerseits bereits an Land zu überlegen, was man wie fotografieren könnte und andererseits unter Wasser sich die Zeit zu nehmen, an einem Motiv zu verweilen und verschiedene Bildkompositionen auszuprobieren.

Was macht eine gute Bildkomposition aus? Welche Elemente sind zu berücksichtigen?

  • Vordergrund / Hintergrund
  • Position des Motivs
  • Grösse des Motivs
  • Blickwinkel
  • Inhaltskomponenten (Licht, Lichtstrahlung, Schatten, Sonne, Snells Window, Linien, Motiv, Nebenmotive)
  • Farben
  • Spiel mit der Schärfe / Unschärfe
  • Informationsgehalt (Minimalismus versus Komplexität)

Einige davon werden wir uns heute ansehen, andere behandeln wir in einem späteren Kapitel.

Annäherung an das Motiv

Tauchen ist fantastisch! Wir fliegen übers Riff und den Wänden entlang, schwerelos wie ein Segelgleiter übers Land. Aus der Vogelperspektive schauen wir uns die Fische und die Korallen an, entdecken die farbigen Nacktschnecken und die Flunder, welche sich kaum vom Sand abhebt. Einfach wunderbar!
Nur die Bilder, die wir so bekommen sind langweilig, widerspiegeln nicht die Gefühle, welche wir unter Wasser hatten und sie gefallen weder der grossen Masse an Facebookfreunden und schon gar nicht der Wettbewerbsjury, von der wir uns doch einen Beifall erhofften.
Den Flug abbremsen, heisst hier die Devise. So nahe ran ans Motiv wie möglich. Und einen völlig anderen Blickwinkel einnehmen. Tiere, leicht von unten und frontal aufgenommen, sind spektakulär. Ja, die Tiere sind scheu und verschwinden. Mach ein Foto, dann versuch noch näher ranzugehen und noch mehr etwas von unten rauf. Und immer wieder - Auge in Auge - das Tier beobachtend, um seine Bewegungen vorherzusehen.

Platzierung des Motivs

Eine mittige Platzierung ist selten eine gute Wahl, ausser wenn man eine klar symmetrische, grafische Linienführung vor sich hat. Die Tiere dürfen gerne angeschnitten werden. Man muss sich aber gut überlegen wo. Eine zufällig angeschnittene Schwanzflosse ist wenig attraktiv. Nur ein Kopf, sprich eine Portraitaufnahme, aber durchaus. Denke immer dran, dem Fisch etwas Wasser vor dem Maul zu lassen, damit er atmen kann.
Horizontale Linienführung wird als genauso langweilig empfunden wie die vertikale. Eine diagonale Platzierung des Motives hingegen wirkt dynamisch.

Die Drittelregel

Die wichtigste aller Regeln ist aber die Drittelregel. Anhand des Fotos wird erklärt, wie sie geht. Eine Platzierung im Drittel wird als harmonisch empfunden, erzeugt aber gleichzeitig Spannung. Ein vermeintlicher Widerspruch, schaue dir aber viele Unterwasserfotos diesbezüglich an und du wirst schnell merken, was ich damit meine.

Die Regeln brechen

Die Regeln zu brechen führt manchmal zu überraschenden Ergebnissen. "Out of the Box" gedacht, verblüffen sie den Betrachter. Wie heisst es so schön? Keine Regel ohne Ausnahme! Das Regelbrechen will aber gut durchdacht sein und muss Sinn machen. Sonst erscheint es ziemlich beliebig.