Deutsch
English

Das Beste aus zwei Welten in Nord-Sulawesi - Steilwände in Bunaken und Critter in Lembeh

Die Gewässer Indonesiens bieten eine hervorragende Artenvielfalt und haben mich bereits einige Male in ihren Bann gezogen. Nach einigen tollen Trips zum Beispiel nach Bali, Komodo, Raja Ampat und Mittelsulawesi wollte ich nun auch einmal der sagenumwobenen Critter-Hochburg Lembeh einen Besuch abstatten. Ich hatte schon viel davon gelesen und von befreundeten Fotografen gehört und so wurde der Wunsch immer stärker, auch selbst mal dort hin zu fahren, um ein paar bis dahin noch nicht gesehene, beziehungsweise fotografierte Tiere abzulichten. Im Kopf reifte die Idee und mit ihr wurde die Wunschliste immer länger (Blue Ring und Mimic Octopus, Hairy Frogfish, Tiger Shrimp, ... you name it).

Allerdings stellte sich heraus, dass eine reine Critter oder Muck Dive-Destination vielleicht doch nichts für meine Freundin sein könnte, denn was sprichwörtlich für uns Fotografen himmlisch anmutet, kann sich aus anderer Perspektive betrachtet vielleicht doch als etwas eintönig erweisen. Also musste ein Kompromiss ersonnen werden. Und das ist ja zum Glück in Nord-Sulawesi überhaupt nicht schwer: Auf der einen Seite gibt es tolle Steilwände und Korallen (Bunaken und Siladen) und die andere Seite ist halt weltberühmt für die kleinen, verrückten Tiere - das ruft doch förmlich nach einer Kombination. Das Ganze noch garniert mit ein wenig "Land und Leute" wird dann zum gelungenen Mix. Mit dieser Vorstellung ließen wir die Profis von Schöner Tauchen ran, die uns einen tollen 15 Tage-Trip zusammenstellten. Aber der Reihe nach: Die Anreise mit Sinagpore Airline von Frankfurt via Sinagpur nach Manado dauert zwar recht lang, ist aber dank A380 relativ komfortabel. Der Service ist super, der neue Flieger ist mit einem tollen Entertainmentcenter ausgestattet und liegt nicht zu Letzt sehr ruhig in der Luft. Obwohl uns das nicht immer gelingt, konnten wir diesmal doch einige Stunden schlafen.  
Während des kurzen Aufenthalts auf dem Flughafen in Singapur kann man sich die Beine vertreten oder schaut sich die Schmetterlinge im Butterfly-Garden an. Der Flug nach Manado geht dann mit einer etwas kleineren Maschine der Silk Air über die Bühne. Auch angenehm, aber spätestens dann findet man den A380 überzeugend. Am Flughafen wurden wir schon erwartet und von einem Fahrer durch den etwas hektischen Trubel Manados zum Hafen gefahren, wo das Transferboot wartete und uns in ca. 40 Minuten nach Bunaken brachte. Alles in allem eine völlig problemlose, wenn auch fast 24 Stunden dauernde Anreise.

Auf Bunaken nahm uns die Crew des Living Colors mit einem kühlen Bierchen (Cola wäre auch gegangen) am "Safety Stop" in Empfang. Schnell und unkompliziert wurden die Formalitäten erledigt und eine kleine Einweisung zu Resort und Tauchbasis erteilt. Da das Resort über einige etwas steile Stufen zu erreichen ist, die Tauchbasis jedoch "unten" am Wasser liegt, ließen wir das Equipment gleich dort und bezogen unseren Bungalow. Die Holzhäuschen im typischen Minahasa-Stil sind einzeln in einer parkähnlichen Anlage verstreut und strahlen regelrechtes Urlaubsfeeling aus, so dass man sich gleich wohl fühlt. Nach einer Dusche ging es dann gleich zum Essen, das in einem offenen Restaurant im Buffet-Stil kredenzt wird. Die zwei großen Tische sorgen für eine ungezwungene Atmosphäre und tragen dazu bei, dass sich das internationale Publikum gut vermischt. Das Essen ist lecker und reichlich, natürlich mit der für Indonesien üblichen Mischung aus Fisch und Hühnchen. Wasser, Tee und Kaffee gibt es gratis, kühle Softdrinks und Bier stehen im Kühlschrank und müssen bezahlt werden (per Strichliste). In jedem Bungalow stehen ebenfalls Spender mit kühlem Wasser - eine tolle Idee! Das müsste in meinen Augen in Tauchressorts zum Standard gehören. Bereits am nächsten Morgen geht's direkt zum Tauchen - schließlich sind wir ja nicht zum Spaß da ;-). Die Basis ist sehr gut organisiert, ohne jedoch den Eindruck einer "Abfertigung" zu erwecken. Alles läuft unkompliziert und familiär ab. Mit den 2 Tauchbooten werden die Tauchspots rund um die Insel oder in der Manado Bay angefahren. Es gibt zahlreiche sehr unterschiedliche Spots, so dass keine Langeweile aufkommt. Rund um Bunaken beherrschen tolle Steilwände die Szenerie, bis auf wenige Ausnahmen sehr schön mit Korallen bewachsen und umwuselt von kleinen Rifffischen. Je nach Tages- und damit Tidenzeit gibt es immer Ecken, die strömungsarm oder halt -exponiert sind. Wenn man das mag, kann man auch mal richtig an der Steilwand entlang fliegen, dass es einem die Ohren anlegt. Dabei sieht man dann auch mal ein paar Großfische wie Pferdskopfstachelmakrelen, Napoleons oder auch mal einen Riffhai, denn Großfische sind doch eher rar hier. Das ist ein bisschen verwunderlich, denn die Natur erscheint hier im Naturschutzgebiet intakt und Futter in Form kleiner Fische gibt's genug, aber offenbar werden die großen außerhalb der Parkgrenzen "abgefangen". Da es sich bei starker Strömung eher schwierig fotografieren lässt, erwärmten wir uns eher für die "easy dives" entlang toller Korallenformationen mit vielen bunten Rifffischen und Unmengen an Kleinzeugs - also perfekt sowohl für den Weitwinkel wie auch das Makroobjektiv. Da ist's auch manchmal schwierig, sich vorher zu entscheiden. Besonders angetan haben es uns die Spots Lekuan I bis III, an deren Steilwänden sich besonders viele Schildkröten tummeln. Besonders nachmittags sieht man viele von ihnen, die sich dann schon ihre Schlafplätze für die kommende Nacht aussuchen. Wann sieht man denn schon mal bei einem Tauchgang gleich über ein Dutzend Turtles? Neben den Steilwänden werden aber auch einige Muckdive-Plätze auf der gegenüberliegenden Festlandseite angefahren, wo man besonders nachts viele verrückte Critters sehen kann. Für uns war das fast schon so etwas wie das Trainingslager für den zweiten Teil des Trips in Lembeh. Bei durchschnittlich 3 Tauchgängen pro Tag, nur unterbrochen von den Mahlzeiten und dem abendlichen Taucherschnack am "Safety Stop", vergeht die Zeit wie im Fluge und so hieß es nach 9 Tagen schon wieder Koffer packen für den Umzug nach Lembeh.


Klick auf das Photo um es zu vergrössern!

Der Transport im Stile einer Hochlandtour durch Minahasa war von Deutschland aus bereits perfekt organisiert worden. Am Hafen von Manado erwartete uns schon unser Tourguide mit seinem Minibus. Nach einem herzlichen Willkommen und mit gekühlten Getränken in der Hand ging es direkt los. Zunächst durch das hektische Treiben der Stadt, vorbei am geschäftigen Markt und den kleinen Geschäften der vorwiegend chinesisch stämmigen Händler schlängelten wir uns immer in grober Richtung nach Südosten aus der Stadt. Über unzählige Serpentinen steigt die Straße ununterbrochen an und so standen wir nach knapp 2 Stunden am Fuße des Vulkans Lokon, der in diesem Jahr bereits über hundert Mal ausgebrochen war, so wie auch am Tag zuvor. Er rauchte ein wenig und alles um uns war mit einer dünnen Ascheschicht bedeckt. Die meisten Einheimischen liefen mit Atemmasken herum, schienen aber durchaus an die Situation gewöhnt. Für uns eher eine etwas kuriose Vorstellung. Wenige Tage nach unserem Besuch gab es dann wohl einen größeren Ausbruch, bei dem auch viele Bewohner evakuiert werden mussten. 
Anschließend ging es immer weiter südlich in die Provinzhauptstadt Tomohon. Hier besuchten wir den Markt, auf dem vor allem Früchte und Lebensmittel angeboten werden. Zu letzterem gehören hier auch Hunde und Fledermäuse und sind quasi lokale Delikatessen - sicherlich nichts für schwache Nerven. So war es auch nicht verwunderlich, dass bei uns beim anschließenden Mittagessen in einem Stelzenrestaurant am Ufer des Vulkansees Tondano nicht so der rechte Appetit aufkommen wollte, auch wenn der gegrillte Fisch lecker war. Andere Länder, andere Sitten halt...

Nach dem Essen fuhren wir nach Woloan, wo Holzhäuser im traditionellen  Minahasa-Stil als Fertigteilhäuser gebaut werden. Hunderte dieser Häuser in unterschiedlichen Größen und Bauarten warten hier auf ihre Käufer. Wer mag kann sich diese auch von innen anschauen. Für unsere Verhältnisse vergleichsweise überschaubares Geld bekommt man hier vom kleinen Bungalow (für zum Beispiel ein Touristenresort) bis zum wahren Palast schöne Massivholzhäuser aus Teak und Eisenholz. Fehlt nur noch das entsprechende Bauland und schon könnte es losgehen...
Anschließend besuchten wir noch eine Gegend mit zahlreichen heissen Quellen und nach Schwefel riechenden dampfenden Rissen und Spalten im Felsen. Hier hat man das Gefühl, mitten in einem Vulkan zu stehen. Der Boden ist ziemlich heiss und nur mit Flip-Flops an den Füssen wird es auch schon mal etwas warm von unten! Auf jeden Fall eine tolle Erfahrung.

Nun wurde es aber langsam Zeit, die Fahrt in Richtung Bitung anzutreten, denn dort sollte uns die Crew des NAD Lembeh in Empfang nehmen. Und so ging es sprichwörtlich über Stock und Stein im dunklen über die doch im Hochland recht kleine und dann auf der Hauptverbindung zwischen Manado und Bitung sehr belebte Straßen. Am Hafen wurden unsere Koffer über abenteuerliche Stege zum wartenden Boot transportiert und dann ging es auch schon los rüber zur Insel. Im Dunkeln konnten wir den ersten Eindruck von unserem neuen Tauchgebiet gewinnen. Natur mischt sich hier mit dem Charme eines Containerhafens, das war zunächst etwas ungewohnt. Im Ressort angekommen wurden wir freundlich begrüßt und direkt zu Tisch gebeten, denn es war bereits Essenszeit. So konnten wir uns gleich mit den anderen Gästen bekannt machen, denn ähnlich wie im Living Colors zuvor, wird auch hier zusammen an einem Tisch gespeist. Anschließend haben wir schnell die Formalitäten erledigt und die Tauchsachen zurecht gepackt. Nach einem so erlebnisreichen und anstrengenden Tag blieb es auch bei nur einem Bierchen. Der Bunglow - wir hatten einen der freistehenden in der oberen Reihe gebucht - war ganz ähnlich dem im Living Colours, also ebenfalls im Minahasa Stil. Allerdings gab es hier auch eine Klimaanlage und dafür keinen Wasserspender. Ich hätte mir aber eher den gewünscht, aber was soll's.

Am nächsten Morgen ging es dann direkt auf eines der Tauchboote. Zusammen mit einem holländischen Taucherpaar und einem Guide erkundeten wir die nächsten 3 Tage verschiedene Tauchplätze in der Lembeh Strait, immer auf der Suche nach möglichst verrückten Crittern. Die Guides verstehen ihr Handwerk sehr gut, auch wenn die Kommunikation aufgrund des schlechten Englischs manchmal etwas schwierig war, aber unter Wasser kann man ja eh nicht reden ;-). Die Tauchplätze sind erstaunlich unterschiedlich, reine Sand-, manchmal auch Schlickflächen, wechseln sich mit Korallenbänken ab. An einem Platz - Nudi Retreat - gibt es sogar eine kleine Steilwand. Anders als auf Bunaken trifft man hier an den Plätzen auch schon mal andere Taucher, aber um das in Grenzen zu halten gibt es Absprachen zwischen den Ressorts, so dass die Maximalzahl an Tauchern an einem Spot übersichtlich bleibt. Da die meisten Critter ja keine wirklichen Weitschwimmer sind, kann man auch mal warten, bis das Fotomodel wieder frei wird. Hin und wieder wühlen die Fotokollegen aber in ihrer Begeisterung schon mal ganz ordentlich den Sand auf, so dass man auch ein wenig länger warten muss, bis der Staub sich legt.

Auf Wünsche wird soweit wie möglich eingegangen, denn die die Guides sind immer gut informiert, an welchem Platz welche Tiere wohl zu finden sein werden. Geisterpfeifenfische - kein Problem, Coleman Shrimp - kein Problem, Hairy Frogfish - kein Problem... und so konnte ich eine ganze Reihe von meiner Wunschliste abhaken. Natürlich gab es auch ein paar Tierchen, die immer noch auf der Liste stehen, wie zum Beispiel Tiger Shrimps, aber erstens waren wir ja auch nicht im Zoo, zweitens auch eigentlich zu kurz vor Ort und drittens muss es ja auch noch einen Grund zum Wiederkommen geben. Und ruck zuck war unsere Zeit auch schon vorbei und es hieß erneut Koffer packen, aber diesmal mit möglichst trockenen Tauchsachen. Das hat leider nicht ganz hingehauen, denn bei der hohen Luftfeuchtigkeit waren sie beim Verpacken doch noch ein wenig klamm (freut die Nase bei der Heimkehr).

Klick auf das Photo um es zu vergrössern!

Am nächsten Morgen ging es wieder mit dem Boot zurück aufs Festland und dann weiter mit dem Auto in Richtung Flughafen. Der Verkehr ist schon der Hammer, aber dennoch schafften wir es rechtzeitig. Einchecken und Flug nach Singapur waren völlig problemlos und unspektakulär. Am Flughafen erhielten wir die Unterlagen für das Stop-Over-Programm und wurden in unser Hotel Carlton gefahren, das für einen Stop-Over sehr zu empfehlen ist. Es liegt schön zentral direkt gegenüber vom berühmten Raffles Hotel und hat einen sehr guten Service. Zum Essen sollte man aber in die Umgebung ausweichen, denn das Preis-/Leistungsverhältnis ist ein wenig überzogen. Schräg gegenüber befinden sich diverse Restaurants, zum Beispiel im Komplex Chijmes, sowie auf der anderen Straßenseite ein Brot&Butter (mit deutschem Bier) sowie ein italienisches  Restaurant, das auch gute Frühstücksangebote offeriert. Die nächsten 2 Tage eroberten wir Singapur, vornehmlich zu Fuß, und gewöhnten uns so schon mal wieder an die Zivilisation. 
Sehr zu empfehlen ist auf jeden Fall die Rundfahrt im Singapur-Stop-Over-Bus mit dem Hop-on-Hop-off-Prinzip und der Besuch der Clarke Quay - hier ist abends immer was los.
Rückblickend war das wieder ein sehr schöner Trip, der besonders durch die Kombinationen reizvoll war. Beide Locations sind absolut empfehlenswert. Vielleicht würde ich bei einer Wiederholung doch einige Tage Bunaken zu Gunsten Lembehs  verschieben, aber das wäre auch die einzige Änderung. Ansonsten:  Alles super!
Tja, und jetzt? Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub, also auf zu neuen Ufern... 

In dem Sinne, liebe Grüße
Mathias