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Kalimantan - Maratua-Atoll und Orangs

Auf der Suche nach einer neuen Destination für's Tauchen in Asien haben wir immer wieder von Nabucco Island gehört, dessen Tauchgründe hochgelobt wurden und Service und Essen viel gepriesen wurden. Garniert mit einer doch einigermaßen aufwändigen Anreise klang das für uns nach der ersehnten Mischung aus Unberührtheit, Abenteuer und Erholung. Schnell fanden wir raus, dass "um die Ecke" auch die Möglichkeit besteht, noch einen Abstecher zu den Orangs auf Borneo zu machen - und der Beschluss stand fest: Dahin sollte es im Frühjahr gehen!

Bei der detaillierten Planung kristallisierte sich dann Ostern - der Feiertage wegen - als optimale Zeit für unsere Kalender, wie wir jedoch dann vor Ort feststellten, nicht jedoch klimatisch gesehen - heraus. Die "Mitnahme" der Osterfeiertage gab uns allerdings die Flexibilität, die ziemlich anstrengende Reise jeweils auf der Hin- wie auch Rückstrecke durch einen Stop-Over in Singapur aufzulockern. Eine gute Wahl, wie wir festgestellt haben. Doch dazu später mehr.

Die Planung und Buchung legten wir zum ersten Mal nach vielen Reisen mit anderen Veranstaltern in die Hände von Extratours, die die Insel neben dem Reisecenter Federsee, offenbar exklusiv vermarkten (zumindest im deutschen Markt) - eine rundum positive Erfahrung. Anfang des Jahres hatten wir auch auf der Boot die Gelegenheit, die handelnden Personen kurz kennenzulernen - sowohl vom Veranstalter, wie auch von der Insel. Ich finde das immer ganz nett, weil es der ganzen Sache eine persönliche Note gibt.

Und Ruck-Zuck ist er auch schon da, der Tag des Abfluges. Endlich, es geht los! Auf dem Flughafen in Frankfurt treffen wir unsere Freunde, mit denen wir dieses Mal unterwegs sind und bringen die Eincheck-Prozedur hinter uns. Dank Online Check-In ist das sehr schnell erledigt und auch bei Sicherheitscheck gibt es keine Überraschungen. Diesmal interessiert das im Handgepäck mitgeführte Unterwasserfoto-Equipment keine Sau. Fast schon langweilig...keine Fragen, keine Sprengstoffüberprüfung. Aber lieber so, als Stress. Der Urlaub kann also beginnen.

Wir machen es uns also im Flieger bequem. Der Flug ist ausgebucht, und es passen ja eine Menge Leute in einen A380, aber der Service bei der Singapore Airlines ist - wie eigentlich immer - sehr gut, das Essen (gemessen an Flugzeugnahrungsmaßstäben) prima, und das Entertainment hervorragend. Nach einigen Filmen und ein paar Stunden Schlaf landen wir auch schon auf dem Changi Airport. Sieht immer noch alles so aus, wie vor 4 Monaten. Alles aufgeräumt, sauber und technisch perfekt. Zum Glück können wir uns auch wieder ein wenig bewegen, denn so langsam macht sich mein Knie bemerkbar. Ein paar Tage vor dem Abflug habe ich mir nämlich leider einen Riss im Meniskus eingehandelt, wie sich beim MRT am Tag vor dem Abflug herausgestellt hat. Dinge gibt's, die braucht man wirklich nicht. Aber die Reise so kurz vor dem Beginn abbrechen kam nun auch nicht in Frage. Ein Indianer kennt schließlich keinen Schmerz... Um ehrlich zu sein, bin ich aber doch sehr froh, den Stop-Over eingebaut zu haben, denn jetzt noch weiter reisen, das wäre echt eine Tortur gewesen!

Also suchen wir uns den Stop-Over-Stand von Singapore Airlines, organisieren dort An- und Abtransport zum Hotel und für den Morgen zurück zum Flughafen und sind mit dem Bus ziemlich schnell bei unserem Hotel. Zu schnell, wie sich vor Ort herausstellt, denn unsere Zimmer im Hotel Albert Court wären eigentlich erst ab Mittag beziehbar. Mist, denn es ist Morgens und eigentlich würden wir jetzt gern mal duschen, was frühstücken und dann den Tag zum Sightseeing nutzen, denn wir haben nicht ohne Hintergrund ein Hotel in der Nähe des indischen Viertels gewählt. Also gehen wir auf das Upgrade-Angebot ein, das neben dem größeren und "schöneren" Zimmer, das sofort verfügbar ist, auch das Frühstück für heute und morgen beinhaltet (was wir in unserem Stop-Over-Paket von Singapore Airlines nicht drin hatten). Der Aufpreis von 50S$ bringt uns auch nicht um, und wir haben das Thema vom Hals. Gut, das Frühstück war jetzt nicht der Hammer, aber keinen Hunger (mehr) zu haben, ist ja auch mal was... Nach dem Duschen ziehen wir los und lassen uns von der Stadt gefangen nehmen. Diese Ecke hatten wir im Herbst ausgespart und, auch wenn das natürlich nicht vergleichbar mit anderen asiatischen Städten ist, wirkt das Viertel irgendwie lebendiger, als die schon fast klinisch sauberen Bereiche in den touristischen Zentren. So genießen wir den Anblick von Märkten und kleinen Läden und schauen uns einige Tempel an. Immer wieder bieten sich uns schöne Fotomotive und wir "schießen" uns so langsam ein. Außerdem ist das Wetter als willkommene Abwechslung zu der scheinbar ewigen Winterkälte in Deutschland einfach eine Wohltat. Dennoch entpuppt sich die Idee, die Turnschuhe gegen Flip-Flops zu tauschen, als unclever, denn nach einigen Stunden fängt mein Knie an zu rebellieren. Mist, das bringt nichts mehr. Ich muss zurück ins Hotel und die Beine hochlegen. So ein Mist, hoffentlich gibt sich das bald... Zum Glück gibt es Bier in der Minibar - eines wird zur Betäubung innerlich verabreicht, die anderen Dosen verrichten ihren Dienst als Kühlung äußerlich. Es hat schon seinen Grund, warum Bier in Bayern zur Grundausstattung gehört... ;-) Zu Abend essen wir daher bei einem indischen Restaurant um die Ecke und fallen auch recht früh ins Bett, denn morgen geht's auch früh los.

Bereits kurz vor 5 Uhr sammelt uns der Bus zum Flughafen ein - und weiter geht die Reise. Erst mit der Silk Air in gut 2,5h Stunden nach Balikpapan, wo uns schon ein Agent des Veranstalters in Empfang nimmt und zum richtigen Terminal und Counter bugsiert und das Einchecken nebst Übergepäckmodalitäten koordiniert, dann in gut einer Stunde mit xxx nach Berau. Dort erwartet uns schon ein Fahrer und bringt uns zum Bootsanleger am Fluss, wo wir auf ein Speedboot umsteigen, welches jetzt nochmals 4 Stunden braucht. Für die vielen Umsteigeaktionen lief das recht perfekt, aber ein wenig unbequem ist das ganze doch schon. Aber egal, wir haben ja das Abenteuer gesucht und gebucht. Trotzdem bin ich mit Blick auf mein linkes Knie doch heilfroh, die Strecke aufgeteilt zu haben. Manchmal hat man ja doch den richtigen Riecher... Das Boot düst in einem Affenspeed den braunen Fluss stromab, auf dem erstaunlich viel Schwemmgut unterwegs ist. Mein lieber Mann, wenn der Kapitän einen von diesen Baumstämmen erwischt, dann kracht's aber ordentlich! Und jetzt fängt es auch noch in Strömen an zu regnen, so dass wir auch kaum noch was sehen. Aber scheinbar der Skipper, denn es kracht nichts und wir dösen auch so langsam weg, denn mittlerweile wird es ohnehin stockdunkel und für uns ist es ja gefühlt sowieso schon mitten in der Nacht. Nach einer halben Ewigkeit - keine Ahnung wie lang wir nun eigentlich schon übers Meer gerauscht sind - blitzt ein Leuchtfeuer auf und auf der rechten Seite ist die Flanke einer Insel zu sehen. Allerdings zieht sich das jetzt doch noch fast 25 Minuten, denn wir müssen von der Spitze des Atolls noch bis zum Kanal, um ins seichte Wasser der Lagune einbiegen zu können, in der die Insel liegt. Endlich sind wir da - Robinson-Feeling! Wir werden herzlich von Doris, Martin und der Crew begrüßt und unsere Koffer ausgeladen. Über holzbeplankte kurze Wege geht es zur Bar und bei einem Welcome-Drink erhalten wir eine kurze Instruktion über wer, wie und warum. Wenn das jetzt im indischen Ozean wäre, könnte es auch gut auf den Malediven sein. Die Insel hat auch eine ähnliche Größe (oder eher "Kleinheit"). Schnell kurz frisch gemacht und dann gibt es auch schon Abendessen - ach stimmt ja, es ist auch bereits fast 21 Uhr... Wir sind jedenfalls ziemlich müde und fallen direkt nach dem Essen ins Bett in unserem schönen Stelzenbungalow. Der ist wirklich toll: Komplett aus Holz, mit offenen Bad, Himmelbett mit Moskitonetz und einer großen Veranda direkt über der Lagune. Cool! Genauso haben wir uns das vorgestellt. Mit diesem Gedanken schlummern wir auch schon ein.

Am nächsten Morgen beginnt - vom Einchecken auf der Tauchbasis - der Kreislauf der nächsten 9 Tage: Lecker Frühstück, in der Regel zweimal Tauchen, vielleicht ein kleiner Snack zwischendurch, lecker Abendessen, chillen auf der Veranda, Bilderausbeute des Tages angucken, schlafen, aufstehen,....  Was sich auf den ersten Blick ziemlich eintönig anhört, ist bei näherer Betrachtung extrem erholsam und wirkt wie man so schon neudeutsch sagt "entschleunigend". Allerdings muss man sich auf der kleinen Insel ja kaum bewegen und das Essen ist wirklich hervorragend (4 Gänge Menü zum Abendessen) - da kann man jeglichen Abspeckvorsatz in die Tonne treten. Zumal, wenn noch das eine oder andere Bierchen dazukommt, oder wie an meinen Geburtstag zur Feier des Tages auch mal ein Wein. Auch hier wurde ich mit einem Geburtstagskuchen mit Kerzen überrascht. Wirklich nett!

Die Tauchgründe rund um das Atoll sind ganz nett, entpuppen sich aber leider als nicht so spektakulär, wie erwartet. Schade, denn deshalb sind wir ja eigentlich hier. Bitte nicht falsch verstehen: Es gibt sehr schöne Steilwände mit zum Teil auch tollem Korallenbewuchs, aber leider sind diese auch immer wieder von recht großen Stellen durchzogen, an denen alles in Schutt liegt. Unklar, ob das an den zum Teil sehr heftigen Strömungen liegt, oder doch vielleicht am eher rabiaten Umgang der Fischer. Ein paar Mal hören wir unter Wasser auch Detonationen, wobei es natürlich sehr schwierig ist, die Entfernung zu bestimmen. Fakt ist, hier wird seit jeher gefischt (wovon soll die Bevölkerung denn auch leben) und somit ist das Atoll nicht halb so unberührt, wie nach den zum größten Teil überschwänglichen Berichten in der Presse erwartet. Und eines fehlt auch: Die Fische! Es wuselt zwar in allen Ecken und rund ums Riff, aber das sind eher kleinere Rifffische. Was hier fehlt, sind die Schwärme, die ja oft den Wow-Effekt ausmachen. Dennoch, wir sehen eine Menge toller Dinge und für Weitwinkel-Fotografen, die eher Szenerie mit und ohne Taucher aufnehmen wollen, gibt es dank der schön bewachsenen Steilwandbereiche auch immer tolle Motive. Da auch immer wieder Schildkröten auftauchen, die hier in großer Zahl rumschwimmen, gibt es auch tierisch immer wieder schöne Perspektiven. Wenn die Tauchgänge aber nicht mit der Flut getimt werden, kann man schon das "Glück" haben, in einen plötzlichen "Schneesturm" zu geraten. Dann wird das Wasser über den Riffkamm aus der riesigen Lagune gedrückt, die Sicht sinkt urplötzlich auf das Niveau eines durchschnittlichen Baggersees in Deutschland. Klar, wenn dann bei 3 Metern Sicht plötzlich eine große Schildkröte auftaucht, kann das auch ein beeindruckendes Erlebnis sein, aber tolle Bilder kann man dann trotzdem kaum machen. Martin meint, dieses Phänomen hängt sicherlich mit den für die Jahreszeit zu hohen Temperaturen zusammen, weshalb sich auch zu viel Plankton in der sehr warmen Lagune bildet, was das durch den vielen Regen der letzten Wochen ohnehin schon angetrübte Wasser noch zusätzlich sedimentiert. Also vereinbaren wir, die nächsten Tauchgänge oben an der Atollspitze zu machen, weil dort sicherlich die durchgehende Inselkette die bei Ebbe abfließende Lagunenbrühe behindert. Die Spots, für die man eine etwas längere Anfahrtszeit in Kauf nehmen muss, entpuppen sich auch als wirklich schöne Korallenlandschaften mit gefühlt etwas mehr Fisch (vielleicht liegt es auch an der Mär vom grüneren Gras in Nachbars Garten), aber wie wir beim zweiten Tauchgang des Tages feststellen, war die Annahme, hier der trüberen Ebbe zu entwischen, falsch. Plötzlich dreht die Strömung, die uns ja schon ein paar Mal im Laufe eines Tauchgangs die Richtung hat wechseln lassen, vehement und Zack, da ist er wieder der Sandsturm. Tja, dann ist das halt hier momentan so. Auch nicht schlimm, ändern können wir es ja eh nicht.

Die bei den Fahrten zu den entfernteren Spots genutzte Two-Tank-Dive-Variante bringt uns aber wenigstens den Vorteil eines komplett freien Nachmittags auf der Insel, den wir für Überwasser-Fotos ausgiebig nutzen. Überall finden sich tolle Ecken, ob es die nett angelegten Orchideentöpfe sind, oder die Richtungspfeile, die die Entfernung nach Paris, New York und Berlin anzeigen, oder die tollen Motive mit den Stelzenbungalows. Auf der anderen Inselseite stehen ein paar Mangroven, bei denen wir wieder ein paar Zeitrafferaufnahmen versuchen, diesmal vom durch die Flut auflaufenden Wasser. Schön werden auch die abendlichen Aufnahmen vom Sonnenunter- und Mondaufgang, und von der Milchstraße, die wir des Nachts von unserer Veranda bestaunen. Also erholsam ist das ja hier nun wirklich!

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Ein Divespot hier verdient definitiv konkrete Erwähnung: Big Fish Country. Der Name ist sicherlich Programm, aber er hat es auch in sich. Wenn es strömt, und das tut es ja nun wirklich fast immer in irgendeine Richtung, dann kachelt es hier auch richtig. So recht kann man offenbar auch mit Blick auf den Gezeitenplan nicht voraussagen, wie die Verhältnisse unter Wasser sein werden, denn trotz eigentlich einlaufender Flut haben wir auch in einem Teil des Kanals eine starke Aus- und damit Abwärtsströmung erleben dürfen. Wahrscheinlich liegt es an der speziellen Topografie, die anders als bei ähnlichen Strömungskanälen zum Beispiel auf den Malediven oder in Polynesien am Kanalanfang einige große Kanten und Spalten aufweist, die hin und wieder zu starken Verwirbelungen oder Sinkströmungen führen. Abblasende Oktopusse und abgerissene Strömungshaken sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache, Das ist definitiv nichts für schwache Nerven und schon gar nichts für Anfänger. Solche Tauchgänge verdienen den nötigen Respekt und erfordern ein erkleckliches Maß an Erfahrung. Für uns war jedenfalls kaum verständlich, dass man dort selbst mit blutigen Anfängern hinfährt, die lediglich knapp 30 Tauchgänge im Logbuch haben. Als Diveguide könnte ich jedenfalls auf diesen Stress verzichten. Wie auch immer, uns wurde berichtet, dass einige Taucher regelrecht süchtig nach diesem Spot werden und nach anfänglicher Skepsis irgendwann nur noch dort tauchen wollten. Das kann man sicherlich verstehen, denn dort gibt es auch endlich mal große Fische zu sehen - wie beispielsweise den riesigen Zacki, der zwischen den vielen Makrelen fast wie ein kleines U-Boot aussieht, oder die stationäre Barrakudaschule, die schon extrem beeindruckend ist, wenn man die Gelegenheit bekommen, die viele tausend Tiere große Wolke aus der Nähe zu sehen. Einige von ihnen tragen sogar Schiffshalter mit sich rum, das habe ich auch noch nicht gesehen. Leider war die Strömung bei unserer Begegnung einfach zu stark, um sich vom Riff(haken) zu lösen und Bilder aus der Nähe oder gar Mitte zu machen. Die optimale Zeit für diesen Spot war während unseres Aufenthalts leider immer in den frühen Morgenstunden, so dass wir mit Blick auf den Erholungseffekt auf zu häufige Ausfahrten dorthin verzichteten. So konzertierten wir uns nach paar Tagen eher auf den Makrobereich in dem es auch einige Entdeckungen machten. Verglichen aber mit anderen indonesischen Hotspots - wie beispielsweise Komodo, Lembeh oder Bunaken - sind die Motive auch im Kleinbereich eher spärlich gesät.

Eine tolle Abwechslung stellt auch noch einmal der Tagestrip nach Kakaban und Sangalaki dar. Der erste Tauchgang findet nach einer etwas längeren Anfahrt an der Spitze von Kakaban statt, wo sich ein treppenförmig abfallendes Saumriff mit anschließender Steilwand findet. Dank der ständigen Strömungen finden sich hier tolle Korallen und riesige Schwämme, und wir konnten einzelne Weißspitzenhaie und Adlerrochen beobachten, die allerdings doch einen ziemlich großen Sicherheitsabstand einhielten. Beim Austauchen bietet sich uns ein sehr schöner Korallengarten im Flachwasser mit allem möglichen kleinen Getier, so dass der Sicherheitsstopp um eine Viertelstunde ausgedehnt wird. Leider hat sich zwischenzeitlich der Himmel zugezogen und öffnet genau in dem Augenblick seine Schleusen, als wir beim Eingang zum Quallensee von Kakaban ankommen. Schade, denn die Idee war ja genau, die Quallen gegen die Sonne freigestellt zu fotografieren. Das wird bei dem Pladderregen leider nichts, also ist Improvisation angesagt. Tja, spektakulär kann man die Bilder nicht bezeichnen, aber schön war es trotzdem. Es sind übrigens auch lange nicht so viele Quallen, oder zumindest nicht so in dichten Schwärmen unterwegs, wie in Palau. Dennoch wäre wir gern länger geblieben, denn insbesondere die Schwämme am Ufer und am Jetty sind toll. Doch leider mahnt die fortgeschrittene Zeit zum Aufbruch, denn schließlich wollen wir auch noch die Mantas von Sangalaki sehen. Das wird leider nichts, denn sie zeigen sich bei beiden Tauchgängen in der Nähe der Putzerstationen nicht. Das doch recht flache Riff lässt sich aber dennoch gut behauchen und bietet genügend Abwechslung, um ein paar schöne Bilder zu schiessen. Es gibt schöne Korallenblöcke, Gorgonien und Anemonen mit Neros. Die sanfte Strömung bringt uns ohne jegliche Anstrengung von Spot zu Spot. Leider zeigt sich nur ein kleiner Vertreter der Rochenfamilie - ein vorwitziger Blaupunktrochen. Schade, aber so ist es halt in der Natur. Bei der Oberflächenpause, in der wir unser Lunchpaket vertilgen, sehen wir bei Ententeichbedingungen in einiger Entfernung doch tatsächlich einige Rochenflügel an der Oberfläche, was uns für den zweiten Tauchgang sehr optimistisch stimmt. Aber wieder haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht, es wird wieder nichts mit den Kameraden. So ist das halt, mal hat man Glück und manchmal halt nicht. Wahrscheinlich haben wir uns wirklich die falsche Jahreszeit ausgesucht...

Auch wenn das Fazit aus taucherischer Perspektive eher durchwachsen ausfällt, so verlassen wir die Insel dennoch ungern, denn dank tollem Service, Ambiente und Essen haben wir uns sehr wohl gefühlt. Zu Wiederholungstätern werden wir aber sicherlich dennoch nicht, denn dafür haben uns die Tauchspots nicht genug überzeugt und das wiederum rechtfertigt die aufwändige und lange Anreise nicht. Für Tahiti beispielsweise haben wir auch nicht länger gebraucht....

In aller Herrgottsfrühe verlassen wir morgens (bei Regen!) die Insel und düsen mit dem Speedboot gen Berau. Wie der Skipper bei dem Wetter und der Finsternis überhaupt was erkennen kann, bleibt mir schleierhaft, aber er bringt uns wohlbehalten zum Übergabepunkt, wo wir ins Auto umsteigen, das uns zum Flughafen bringt. Der Fahrer hilft uns auch hier bei der Abwieglung der Eincheck- und Übergepäckmodalitäten. Warum allerdings hier der USD-Preis je Kilo doppelt so teuer ist, wie auf dem Hinflug, bleibt wohl sein Geheimnis. Naja, verglichen mit den sonst üblichen Aufpreisen bei Interkontinentalflügen hält sich das immer noch in Grenzen, so dass wir das dann einfach schlucken. Nach Umstieg einem Umstieg geht es dann vom Flughafen in Balikpapan mit dem Auto in den Dschungel, wobei wir uns eine ganze Weile fragen, wo denn hier der Regenwald sein soll, denn links und rechts der Straßen wechseln sich Felder, Häuser und Kohlengruben und Erdölfelder ab - von Bäumen oder gar Urwald keine Spur! Aber plötzlich biegen wir von der Straße ab, fahren ein paar hundert Meter über eine Dirtroad und sind - kaum zu glauben - plötzlich im Wald. Echt ein krasser Gegensatz! Plötzlich kommt ein Sicherheitsposten mit Schlagbaum, dann geht es noch eine ganze Weile über die Holperstrecke weiter und dann halten wir vor der Samboja Lodge. Wow, das sieht echt cool aus. Da wir offenbar die einzigen Gäste derzeit sind, erhalten wir die Suiten, die jeweils am Ende der Zimmertrakte mit großen Fenstern und 180° Sicht in den Urwald aufwarten. Cool, hier kann man vom Bett in den Wald schauen... Gleich nach dem Essen geht es los mit dem Programm - wir wandern runter zu den "Inseln", auf denen jeweils einige Orange in Gruppen gehalten und gleichzeitig durch die Kanäle von den anderen Gruppen und vor allem auch den Menschen abgeschirmt werden. Im Abendlicht genießen wir den Blick auf diese faszinierenden Tiere und sind erstaunt, wie menschlich Gestik und Mimik oftmals sind. Dennoch ist es kaum zu glauben, dass wir über 99% des Erbguts mit ihnen teilen. Besonders angetan hat uns ein großes Männchen, dass mit seinen imposanten Muskeln und den Gesichtswülsten Eindruck erweckt. Irgendwie erinnert er mich auch an eine Figur in einem Science Fiction Film. Beim Abendessen und er Lodge komme ich drauf: Chubakka aus Star Wars!

Die nächsten zwei Tage erleben wir ein abwechslungsreiches Programm in- und außerhalb des Geländes. Besonders angetan sind wir von der Aufzuchtstation für kleine Orangs, in der sich einheimische Frauen aufopferungsvoll um die keinen Racker kümmern. Sie kommen genauso "unfertig" zu Welt wie kleine Menschenbabys und brauchen genau soviel und -lange Fürsorge - über mehrere Jahre. Die Mädels sind echt bewundernswert, denn die Kleinen treiben allerhand Schabernack und versuchen alles, was sie eigentlich nicht sollen, beispielsweise Besucher fangen. Nur die werden ja vorher instruiert, die kleinen Affen nicht zu berühren und tragen sogar Mundschutz. Tja, das wissen ja die Affen nicht und so wird munter jeder Versuch gestartet, sich doch mal an jemand anders zu klammern, als an die Pflegerinnen...   

Auf dem Rückweg machen wir nochmals für eine Nacht Halt in Singapur, diesmal jedoch eher in der Nähe des quirligen Clark Quays, wo wir uns wieder langsam an die Zivilisation gewöhnen. Nach der Abgeschiedenheit der letzten Tage ist der Trubel des Samstagabends doch irgendwie unwirklich. Wir lassen uns dennoch drauf ein und genießen lecker Sashimi und sündhaft teures Bier. Am nächsten Morgen springen wir in einen der Hop-On / Hop-Off-Stadtrundfahrtbusse und schauen uns die Stadt an. An besonders interessanten Stellen steigen wir aus und sehen und einzelne Sehenswürdigkeiten aus der Nähe an. Bequemer geht's kaum! Am späten Nachmittag beschließen wir das Sightseeing zu beenden, schauen noch ein Weilchen den Segler in der Marina Bay zu und genießen den Sonnenuntergang, der ein irre pastelliges Licht über die Skyline und vor allem die Fassade des Marina Bay Sands wirft. Ein wirklich schöner Abschluss des Urlaubs.

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