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Die Wracks von Coron - Auf den Spuren des 24. September 1944

Das Ende des 2. Weltkrieges naht. In Europa sind die Alliierten bereits einmarschiert. Die Japaner allerdings sind noch nicht auf dem Rückzug. Sie wollen gerade die Philippinen weiter besetzen. Doch auch hier erwächst Widerstand. In der Bucht von Manila wurden Sie ab dem 21 September immer wieder von den Alliierten bombardiert, 15 Schiffe sanken. Der Rest ihrer Kriegsflotte, begleitet von Transportschiffen, welche mit Baumaschinen und -material sowie mit Versorgungsgütern aller Art beladen waren suchte Schutz vor den Angriffen. Die zerklüftete Bucht von Coron (Palawan) bot sich an vor Anker zu gehen und die Nacht vom 23. Auf den 24. September dort zu verbringen.

Aber irgendwie flog Ihre Tarnung auf. Am Morgen des 24. September um 05:50 Uhr flogen 120 Flugzeuge der Task Force 38 vom 340 Meilen entfernten Flugzeugträger los. Zu damaligen Zeiten war das eine sehr grosse Distanz, so dass den Fliegern nur wenige Minuten für die Attacke blieben, ehe sie wieder zurückfliegen mussten. Entsprechend konzentriert war der Angriff.

Innert 15 Minuten versenkten die Alliierten 12 Schiffe. Nur die Okikawa Maru, ein Tanker, blieb schwer beschädigt und lichterloh brennend, über Wasser. Erst ein zweiter Angriff am 9. Oktober brachte das Schiff zum Sinken.

Über 70 Jahre später sind die meisten Wracks noch sehr gut erhalten. Gesunken im flachen Wasser bieten sie heute ein Tauchparadies der Extraklasse. 70 Jahre auf Meeresgrund machten aus den Wracks ein wunderschön bewachsenes Habitat für ein reich diversifiziertes Meeresleben.


Reise
Die Reise nach Coron will gut geplant sein. Nur allzu leicht bleibt man irgendwo stecken, da die Anschlüsse nicht gewährleistet sind. Der erste Teil ist einfach. Ich habe mich entschieden mit der Singapur Airlines nach Manila zu fliegen. Der Komfort, der fantastische Service an Bord und der Anschluss in Singapur sind gute Gründe für die Wahl.

In Manila braucht man eine Übernachtung, da der Inlandflug schon sehr früh am morgen angesetzt ist. Achtung, der Flug nach San Jose (Occidental Mindoro) findet nicht täglich statt und ist immer wieder Änderungen unterworfen.

Von San Jose aus wäre es eigentlich nur noch eine Fahrt mit der Fähre nach Coron. Doch auch dieser Anschluss ist nicht gleichentags möglich, obwohl wir sehr früh in San Jose ankommen.

Ich empfehle daher einen Aufenthalt im ApoReefClub in Calintaan zu organisieren und dort gleich einen zweitägigen Trip zum Apo Reef zu machen. Das Apo Reef ist ein praktisch unberührtes Riff, welches von der UNESCO unter Schutz gestellt wurde. Einen speziellen Bericht zu diesem Riff findest du hier.

Nach diesem Eintauchen sind wir fit für die Weiterreise. Mit der Fähre geht es nach Coron. Dort gibt es viele Orte sich niederzulassen. Der schönste Ort ist aber zweifelsfrei das Asian Grand View Hotel an etwas erhöhter Lage. Von dort aus hat man einen prächtigen Ausblick auf die Bucht von Coron. Und dieser Blick wird noch viel prächtiger während den aussergewöhnlichen Sonnenuntergängen, welche die Bucht in tiefes Orange oder gar Rot tauchen.

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Die Wracks
Die Wracks von Coron bieten eine breit Diversität an Tauchgängen. Es sind zum Teil sehr grosse Wracks, die meisten über 100m lang. Das längste ist das Wrack der Okikawa Maru mit 168m Länge gefolgt von der Irako mit 146m. Da lohnt es sich, mehrere Tauchgänge einzuplanen.

Bei einigen Wracks kann man auch ins Innere tauchen. Die Tauchguides kennen sich gut aus, auch wenn es manchmal zappenduster wird. Tauchlampen sind sehr zu empfehlen. Ich meine eigene, denn die Lämpchen, welche meistens abgegeben werden, reichen vielleicht für den Notfall, aber nicht für den Genuss. Die meiste Zeit aber kann man sich an den Lichteinfällen von aussen erfreuen, welche den Wracks eine besondere Stimmung verleihen. Eine Stimmung, welche auch von den herrlich mit Korallen bewachsenen Durchgängen unterstützt wird.

Natürlich sind auch Reste der Schiffsladungen zu entdecken, obwohl die Schiffe, da sie im flachen Wasser gut zugänglich sind, schon früh ausgeräumt wurden. Es hat aber Bagger, Zementsäcke, Seile, Flaschen, Ziegelladungen und mehr in den Wracks. Auf Akitsushima finden wir noch eine dreirohrige Luftabwehrkanone, welche allerdings am 24. September 1944 nicht viel genützt hat. Ein dazugehöriges Geschoss liegt auch dabei.

Die Sicht ist die meiste Zeit im Jahr lausig. Allerdings bringt das auch viel an mystischer Stimmung, wenn man durch und um die Wracks taucht. Vor allem das Skeleton Wreck oder die Küche der Teru Kaze Maru, einem kleinen Kampfboot und U-Boot Jäger. Dieses wird übrigens auch East Tangat Gunboat genannt und ist nur ein Beispiel für die häufigen Namenswechsel der Wracks. Auch von Tauchbasis zu Tauchbasis ist die Namensgebung unterschiedlich.

Die Kogyo Maru ist ein Frachtschiff, welches auf der Seite liegt. Sechs Cargoräume können besichtigt werden, man findet unter anderem Zementsäcke und einen Bagger. Das Wrack der Kogyo Maru ist aber auch aussen fantastisch zu betauchen. Es ist reich bewachsen und bietet vielen Tieren Lebensraum.

Für den letzten Tauchgang eines ereignisreichen Tages eignen sich zum Beispiel das Lusong Gunboat, welches sehr nahe am Ufer nur wenig unter der Oberfläche liegt. Die maximale Tiefe hier beträgt 11m. Das Wrack kann auch gut mit Schnorchel erkundet werden.

Zusammengefasst bieten die Wracks von Coron ein Erlebnis mit tiefen, geschichtlichen Hintergrund. Sie bieten aber auch einen vielseitigen Lebensraum mit hoher Biodiversität. Neben den Wracks gibt es auch die Möglichkeit eine Höhle oder den Barracuda Lake zu betauchen.

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